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Andacht 11.01.2017

11.01.2017 | von Eli Diez-Prida

manun | photocase.de

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Dann wandte sich Jesus wieder zu den Jüngern, nahm sie beiseite und sagte: „Glücklich zu preisen sind die, die das sehen, was ihr seht! Denn ich sage euch: Viele Propheten und Könige hätten gern gesehen, was ihr seht, und haben es nicht gesehen; sie hätten gern gehört, was ihr hört, und haben es nicht gehört.“ Lukas 10,23-24 (Neue Genfer Übersetzung)

Der eine möchte nicht sterben, ohne einmal die Niagarafälle gesehen zu haben; der andere wünscht sich sehnlich, Jerusalem kennenzulernen. Die eine lässt alles liegen und stehen, um vom Straßenrand aus einen Blick auf die Königin von England zu erhaschen; die andere pilgert nach Rom, um auf dem Petersplatz den Papst aus der Ferne zu sehen.

Was würde ich gern in meinem Leben sehen? Wem würde ich gern begegnen? Mancher stellt - wenn es dann so weit ist - fest, dass die Vorstellung schöner war als die Wirklichkeit. Das ist bei der erstmaligen Begegnung mit Menschen nicht selten der Fall: Man ist von einem Autor begeistert und dann tief ent­täuscht, wenn man ihn persönlich kennenlernt, weil er überhaupt nicht der Vorstellung entspricht, die man sich beim Lesen seiner Bücher von ihm gemacht hatte.

Wären wir enttäuscht gewesen, wenn wir Jesus persönlich gesehen und gehört hätten? Er entsprach so wenig den damaligen Vorstellungen vom erwarte­ten Messias, dass die meisten in dem Zimmermann aus Nazareth nicht den versprochenen Retter Israels erkennen konnten - oder wollten! Viele verhielten sich Jesus gegenüber wie Touristen, die eine Sehens­würdigkeit nach der anderen besichtigen möchten. Oder wie Zuschauer, die erwarteten, dass Jesus ein Zauberstück, ein Wunder vor ihren Augen vollbrachte. Sie rechneten nicht damit, dass er etwas zu sagen hat­te; dass er liebgewordene Ideen und Gewohnheiten als tödlich entlarvte; dass er ungewöhnliche Alternativen für ein sinnvolles und brauchbares Leben zeigte.

Auch heute stellen wir fest, dass sich Jesus nicht in ein Schema pressen lässt, dass seine Führung häufig nicht unseren Vorstellungen entspricht, dass er viel verlangt - allerdings viel mehr in Aussicht stellt. Heu­te wie damals gibt es Menschen, die sich auf seine Bot­schaft einlassen, um dann in ihm ihren Herrn und Heiland zu entdecken. Diese Menschen sind „glück­lich zu preisen“ - man könnte auch „beneidenswert“ sagen. Es ist wahr: Wer Jesus kennt und ihm nach­folgt, ist wirklich zu beneiden!

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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