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Andacht 25.03.2017

25.03.2017 | von Beate Strobel

eckbartze | photocase.de

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Wenn du Gottes Sohn bist, hilf dir selbst, und steig herab vom Kreuz!" Matthäus 27,40 (Einheitsübersetzung)

Es mag vielleicht verwunderlich klingen: Das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“, das vom Leiden Christi erzählt, war mein Lieblingslied im Religionsunter­richt, als ich etwa zehn Jahre alt war. Ich liebte Jesus, und er war so hilflos, er litt Gewalt - und das hat mich tief bewegt. Es machte mir nichts aus, die zehn Stro­phen des Liedes auswendig zu lernen. Die meisten der alten Worte habe ich nicht ganz verstanden, aber die Bilder habe ich aufgesaugt: Jesus wurde verspottet, beschimpft, geschlagen. Das ganze Lied - so viel habe ich verstanden - ist eine sanfte und liebevolle Anspra­che an Jesus. Und die Melodie! Sie gab den Bildern Tiefe und eine tröstliche Schwere. Ich konnte dabei so schön melancholisch werden.

Wenn ich als Zehnjährige das Lied „O Haupt voll Blut und Wunden“ sang und mit Jesus mitfühlte, dann wusste ich eines genau: Das Ganze geht gut aus. Das Leiden von Jesus hatte ein Ende. Und: Er blieb nicht tot; er ist auferstanden. Das war ganz wichtig für mich. Und ist es noch heute. Jesus war nicht nur das Opfer, er war auch einer, der letztlich über alles, was das Leben schwer macht, gesiegt hat.

Ich sehe in Jesus auch den leidenden Gott, der unter den Bedingungen der Menschen gelebt hat, kei­nen Star, der jederzeit aus dem Spiel aussteigen konn­te. Als er am Kreuz hing, wurde er verhöhnt: „Steig herab vom Kreuz!“ Er konnte aber nicht vom Kreuz herunter-steigen, weil er hinabsteigen musste in den Tod. Er hat die Bosheit der Menschen erlitten - mehr als viele andere Menschen -, und er hat sich nicht ge­wehrt. Er zeigte keine Gewalt, nur Liebe. Wie anders sollte Gott uns zu Liebe und Mitgefühl bewegen? Das ist Gottes Art, uns ganz nahe zu sein.

Jetzt könnte man sagen: Hat das denn etwas ge­bracht? Seit seiner Kreuzigung ist die Welt nicht fried­licher geworden. Und auch Christen haben diese Sanftheit nicht über-nommen, sondern das Kreuz um­gedreht und es als Schwert gegen andere benutzt - im Namen Gottes. Das stimmt alles. Und doch: Liebe ent­steht nur durch Liebe.

Das Leiden wird aufhören. Aber die Liebe hört nicht auf. Für mich war und ist das die Kraft, die aus dem Mitgefühl mit Jesus erwächst. Sie macht das Leben heller. Das Lied gehört noch heute zu meinen Lieblingsliedern.

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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