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Andacht 19.06.2017

19.06.2017 | von Thomas Lobitz

Weigand | photocase.de

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Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden. Psalm 90,12

Im Juni vergangenen Jahres trafen sich Zehntausen­de Protestanten zum Deutschen Evangelischen Kir­chentag in Stuttgart. Es gab Hunderte von Veranstal­tungen: Vorträge, Diskussionen, Konzerte und andere Aufführungen. Das Motto wurde dem obigen Bibelvers entnommen „... damit wir klug werden“. Nach Auffassung der Organisatoren sollte man vor allem einen sorgsamen Umgang mit Öl, Gas, Wäldern und Tieren lernen. Und es stimmt ja: Wir Menschen sind dem Auftrag Gottes, den Garten Eden und im weite­ren Sinn die uns anvertraute Erde „zu bebauen und zu bewahren“ (1 Mo 2,15), nur bei der ersten Hälfte gut nachgekommen; mit dem zweiten Teil hapert es ge­waltig.

Doch es geht in dem zitierten Bibelvers nicht um Ressourcenschonung, sondern um ein zutiefst geistli­ches Anliegen: wie wir mit unserer Vergänglichkeit leben können. Die Elberfelder Bibel übersetzt den Vers genauer: „So lehre uns denn zählen unsere Tage, damit wir ein weises Herz erlangen!“ Überspitzt formuliert: Es geht um die Weisheit - die Lebens-klug­heit -, sterben zu lernen.

Als die Tante meiner Frau an Krebs erkrankt war, versuchten die Ärzte alles, um ihn zu besiegen - ver­geblich. Als das Lebensende nahte, zog sie in ein Hospiz. Dort besuchten wir sie mehrfach. Am Anfang haderte sie mit ihrem Los (wer würde das nicht?). Sie hatte alles versucht, um dem Leben mehr Tage abzu­ringen. Als das nicht möglich war, musste sie ihr Schicksal auf andere Weise verarbeiten. Dabei half ihr - unter anderem - auch die damalige Ausgabe dieses Andachtskalenders. Durch die darin enthaltenen seelsorgerlichen Auslegungen von Bibeltexten empfing sie Trost und gewann die Zuversicht, dass Gott stets bei ihr ist - im Leben wie im Sterben. Durch unsere Anteilnahme versuchten wir, diese Hoffnung zu stär­ken. Irgendwann konnte sie loslassen. Jetzt kam es ihr darauf an, „den Tagen mehr Leben zu geben“ (nach Cicely Saunders, der Mutter der Hospizbewegung). Und tatsächlich schlief sie ruhig ein.

Seit diesem Erlebnis sehe ich Hospize und Besuchs­dienste bei sterbenskranken Menschen mit anderen Augen. Sie leisten eine kaum zu überschätzende Arbeit im Sinne unseres heutigen Bibelverses. Vielleicht be­suchen wir selbst einmal jemanden im Hospiz. Es tut demjenigen gut - und unserer Weisheit auch.

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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