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Andacht 31.07.2017

31.07.2017 | von Udo Worschech

luh | photocase.de

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Hört dies, die ihr die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande zugrunde richtet. Amos 8,4

Arm und reich, elend und verachtet, unterdrückt und verfolgt, schuldig und anmaßend - das sind die Adjektive, mit denen das Menschsein im Alten wie im Neuen Testament charakterisiert wird. Dieser Reali­tät wird jeder (entsetzt) zustimmen - die andere aber, die von Gott gewollte Realität, wird nur als ein fernes Ziel, als Hoffnung und als ein Glauben „an eine besse­re Welt“ in die Zukunft verschoben.

Aber das „Wort“, das bei Gott war, wurde „Fleisch“ und „wohnte unter uns“ in dieser Welt (Joh 1,1.14), die sich in ihrem Dasein zwischen Gut und Böse, Ver­zweiflung und Hoffnung eingerichtet hatte, und han­delte gegen die Konventionen. Der reiche Pharisäer fühlte sich beleidigt, als sich sein Gast von einer stadt­bekannten Frau die Füße salben, küssen und mit ihren Haaren trocknen ließ. Der Zöllner stieg überrascht vom Baum und führte Jesus in sein Haus. Die Phari­säer schüttelten den Kopf über das geringe soziale Feingefühl dieses Jesus von Nazareth. Und nachdem dieser sich als Messias bewiesen hatte, indem er die Hungrigen speiste, die Kranken heilte, die Sünden vergab und die Toten auferweckte, nagelte man ihn ans Kreuz, damit er schmachvoll starb.

Ist die Bibel, das Lehrbuch der Christen, also ein Lehrbuch über das „engagierte Scheitern“ für eine gute Sache? Das uneigennützige Eintreten der Prophe­ten (wie Amos, den ich eingangs zitiert habe), der Apostel und der Missionare für die Armen und Elen­den und für die Sache der Witwen und Waisen war nicht nur sachbezogenes soziales Handeln, sondern auch motiviert von der Liebe Gottes zu den Menschen. Das war und ist immer noch ein Kennzeichen der wahren Gemeinde Christi: „Sie verkauften ihren Besitz und teilten den Erlös mit allen, die bedürftig waren ... und waren bei den Leuten angesehen.“ (Apg 2,45.47 NLB)

Die eingangs skizzierte Welt und das Leben in ihr mit all seinen Widersprüchlichkeiten ist heute genau­so real wie vor Jahrtausenden, und das Ringen der Propheten und der Nachfolger Christi um Gerechtig­keit, Gleichheit, Liebe und Brüderlichkeit ist heute ebenso modern und relevant wie damals. Deshalb braucht es auch heute Christen, die ihr Christsein in ihrem Alltag als Berufung zu einem mitmenschlichen Handeln in dieser Welt verstehen und gegen die herr­schenden Zustände ihr Wort erheben.

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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