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Andacht 13.09.2017

13.09.2017 | von Sylvain Romain

claudiarndt | photocase.de

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Der Herr ließ ihn treffen unser aller Schuld. Er wur­de misshandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf wie das Lamm, das zur Schlachtung geführt wird. Jesaja 53,6-7 (Elberfelder Bibel)

Eine junge Frau im Jemen wurde schwanger, bevor sie verheiratet war. In der dortigen Kultur ist dies eine beinahe unerträgliche Schande. Ihr Vater, ein Kauf­mann von gutem Ruf, verlor nach und nach Kunden. Seine eigenen Freunde gingen ihm aus dem Weg. Als auch niemand mehr seine Mutter besuchte, hatte es plötzlich den Anschein, als würde die ganze Welt diese Familie bestrafen. Die kollektive Schande wurde nahezu unerträglich.

Die erste Reaktion auf solch eine gesellschaftliche Ächtung wäre, die Ehre der Familie durch einen Ehrenmord wiederherzustellen: Durch den Tod der Tochter würde die Schande weggenommen werden! Allerdings lässt nicht nur uns der Gedanke an einen solchen Schritt erschaudern, sondern auch die Men­schen im Jemen. Zur großen Erleichterung der ganzen

Sippe wussten diese Araber von einer uralten Tradi­tion, die die Stigmatisierung wegnehmen konnte: Der Tod eines Lammes würde für die Wiederherstellung der Ehre ausreichend sein und die soziale Akzeptanz der Familie zurückgewähren.

Diese Tradition hat einen erstaunlichen Namen: „Fidā’“ - Erlösung! Das unschuldige Lamm heißt „Fid’yat“. Es wird geschlachtet, um die Schande der jungen Frau zu tragen und ihr ein würdiges Leben zu ermöglichen. Weil das Tier stirbt, bleibt einem Men­schen die grausame Tötung durch Steinigung erspart.

Diese Tradition hat sicher biblische Wurzeln. Der zentrale Heiligtumsdienst bestand aus dem täglichen Morgen- und Abendopfer, der Opferung eines Lam­mes. Das war ein Symbol für Gottes ständige Ver­gebungsbereitschaft. Und der zitierte Andachtstext bezieht sich auf das Opfer von Jesus, dem Lamm Got­tes (Joh 1,29). Jesaja schrieb vorher: „Er ist um unsrer Missetat willen verwundet und um unsrer Sünde wil­len zerschlagen. Die Strafe liegt auf ihm, auf dass wir Frieden hätten.“ (Jes 53,5)

Die Grundlage des muslimischen Opferfestes ist der Text aus dem Koran: „Wir erlösten ihn durch ein großartiges Opfer.“ (Sure aș-Șāffāt 37:107) Das ist nicht allzu weit entfernt vom biblischen Erlösungs­verständnis und ein Anknüpfungspunkt für ein Ge­spräch mit Muslimen.

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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