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Andacht 29.10.2017

29.10.2017 | von Dennis Meier

xiklet | photocase.de

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Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz; prüfe mich und erkenne, wie ich's meine. Psalm 139,23

In einem jüdischen Lehrstück wird erzählt, dass jemand im Traum an der Himmelspforte steht und beobachtet, wer hineingelassen wird. Ein anerkannter Rabbi steht dort und begründet seine Bitte um Einlass mit den Worten: „Tag und Nacht habe ich die Schrif­ten studiert.“ Doch der prüfende Engel sagt ihm: „Warte! Wir müssen erst feststellen, ob du es gemacht hast, weil du Rabbi warst, oder um der Ehre willen, die dir dadurch zuteilwurde.“ Auch andere Gerechte müs­sen offenbaren, ob ihre Motive rein waren. Ein armer Wirt aber beantwortet die Frage mit den Worten: „Ich hatte immer eine offene Tür, und wer sein Essen nicht bezahlen konnte, dem habe ich es geschenkt.“ Ihm wird die Tür zum Himmel geöffnet.

Nun kann ich gut protestantisch antworten, dass an meiner Himmelstür Jesus und nicht irgendein Prüfengel steht. Aber was mich schon seit langem beschäftigt, ist die Frage nach der Reinheit unserer Motive - und damit verbunden die fast philosophi­sche Frage, ob es überhaupt reine Motive gibt.

Haben meine Frau und ich unsere Kinder nur um ihrer selbst willen bekommen oder ging es auch um die Stillung eigener Bedürfnisse? Arbeite ich als Pas­tor aufopferungsvoll bis spät in die Nacht, weil es mir allein um die Menschen geht, oder freue ich mich auch über Anerkennung und Status? Mache ich Musik im Gottesdienst, um Gott zu loben, oder auch, weil ich die Bühne und die Bewunderung genieße?

Motive liegen wohl kaum in der Reinheit vor, die wir uns wünschten. Das macht schon der Begriff Ehrenamt deutlich, der in sich schon den Grund für die Übernahme eines Amtes anbietet: eben die Ehre. Auch der Satz „Ich wollte doch nur helfen“ klingt meistens nur wie der Wunsch nach einer reinen Motivation.

Wie gesagt: Motive gibt es nur sehr selten, wenn überhaupt, in Reinform. Wir finden sie immer in einer Mischung aus Selbstlosigkeit, persönlichem Gewinn und unbewussten Aufträgen. Wohl aus diesem Grund wandte sich David an Gott und bat ihn um Prüfung seines Herzens. Dabei geht es nicht darum, in einer Art Destillationsprozess das reine Motiv herauszufiltern, sondern um eine Klärung der Prioritäten und um ein Kennenlernen und Offenlegen der Beweggründe.

Der Text lädt Gott ein, uns dabei zu helfen, heute einmal zu schauen, warum wir überhaupt machen, was wir machen. Eine gute Übung.

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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