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Andacht 31.12.2017

31.12.2017 | von Gerhard Mellert

wueStenfUXX | photocase.de

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Unser Leben währet siebzig Jahre ... denn es fahret schnell dahin, als flögen wir davon. Psalm 90,10

Wenn der Jahreswechsel vor der Tür steht, macht sich in mir ein eigentümliches Gefühl breit, eine Mischung aus Nachdenklichkeit und Hoffnung, aus Erinnerung und Wunschvor-stellung. Was hatte ich mir alles vor­genommen und gewünscht? Und was ist davon Wirk­lichkeit geworden? Was hatte ich erwartet? Was hat sich erfüllt? Was hat mich überrascht? Was habe ich vergessen oder versäumt? Wem habe ich Unrecht getan?

Rückblick ist wie „Bilanz ziehen“, anschauen, ob ich mit dem Vergangenen einig bin. Wie gut, sage ich mir, dass es das neue Jahr gibt und damit Gelegenhei­ten, das Versäumte nachzuholen. Auch wenn ich jetzt schon weiß, dass es mir erneut so ergehen wird, wenn wieder ein Jahreswechsel vor der Tür steht und sich das eigentümliche Gefühl in mir breit macht.

Rückblick ist zugleich auch Ausblick. Ein Jahr geht seinem Ende entgegen. Noch wenige Stunden, dann ist auch dieses Jahr - wie so viele Jahre unseres Lebens - endgültig dahin. Am Ende eines Jahres spüren wir die Vergänglichkeit unseres Lebens deutlicher als sonst. „Schnell eilt es vorüber, und wir fliegen dahin“ - so hat es Mose, der Mann Gottes, in seinem Wissen um die Vergänglichkeit formuliert (Ps 90,10 EB). In unserem technischen Zeitalter scheinen die Flügel gegen Triebwerke ausgetauscht worden zu sein, und wir jagen mit Raketengeschwindigkeit voran. Wir sind immer in Eile; keine Zeit zur Rückbesinnung.

Daher finde ich es sinnvoll und hilfreich, dass wir uns am Jahresende einer stillen Besinnung nicht ent­ziehen und verschließen. Ein Jahr ist für Gott zwar nur ein Augenblick, doch eines ist auch wahr: Jedes Jahr bringt uns näher zu Gott. Menschlich werden wir mit jedem Jahr älter, doch im Glauben als Chris­ten werden wir mit jedem Jahr jünger.

Es gibt noch einen Grund, weshalb diese Besinnung empfehlenswert ist: Uns soll bewusst werden, dass unsere Zeit nicht in unseren, sondern in den Händen Gottes steht. Aus diesem Wissen können wir Kraft und Zuversicht auch für das kommende Jahr schöp­fen. Gott, den wir als unseren Vater kennengelernt haben, will auch im kommenden Jahr bei uns sein. In seinen Händen liegen unser Leben und unsere Zeit (Ps 31,16).

© Advent-Verlag Lüneburg - mit freundlicher Genehmigung

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