Andachten

Andacht

Andacht 02.05.2018

02. Mai 2018 | Günther Hampel

Andacht 02.05.2018

Freut euch mit den Fröhlichen! Weint aber auch mit den Trauernden!

Dieser Aufruf stammt aus dem seelsorgerlichen Teil des Briefes, den der Apostel Paulus an die Christen in Rom geschrieben hat. Ich frage mich: Muss man gläubige Menschen zum Mittrauern oder Mitfreuen ermahnen? Darf man das überhaupt? Ist es nicht selbstverständlich, dass sich Christen mit anderen freuen oder am Geschick Trauernder Anteil nehmen? Rennt der Apostel hier nicht offene Türen ein? Aber so einfach, wie wir denken, ist das eben nicht.

Chrysostomos, ein bedeutender Theologe der grie­chischen Kirche (gest. 407), hat einmal gesagt, es er­fordere eine höhere christliche Gesinnung, sich mit den Fröhlichen zu freuen, als mit den Weinenden zu weinen. Das Weinen komme von selbst, denn nie­mand sei so hartgesotten, dass ihn das Unglück oder Elend eines anderen nicht betroffen mache. Sich mit anderen zu freuen erfordere dagegen eine edle Seele, denn das bedeute nicht nur, dass man dem anderen sein Glück nicht missgönne, sondern dass man sogar Genugtuung empfinde wegen des Ansehens, das er genieße.

Im Prinzip kann man dem zustimmen, aber in der konkreten Situation ist es auch mit der Trauer nicht so einfach, wie es sich hier anhört. Wenn es so leicht wäre, würden wir auf schwere Krankheit und Schick­salsschläge anderer Menschen nicht so hilflos reagie­ren, weil wir nicht wissen, was wir sagen sollen. Aber müssen wir denn immer gleich reden, Mut machen, Zusammenhänge erkennen oder auf das „Licht am Ende des Tunnels“ hinweisen? Paulus meinte: Nein! Es reicht, wenn ihr mit dem Weinenden weint. Lasst ihn spüren, dass sein Unglück auch euch berührt. Das hilft ihm mehr als fromme Sprüche.

Und wie ist es mit der Freude? Es ist wohl doch schwerer, jemandem ehrlichen Herzens zu seinem Erfolg zu gratulieren - zumal wenn dieser Erfolg für einen selbst eine Enttäuschung bedeutet -, als ihn zu bedauern, wenn ihm Leid widerfährt. Nur wer von sich selbst wegschaut, kann sich über den Erfolg des anderen freuen wie über eine eigene gute Leistung. Mir scheint, hier haben wir noch einiges zu lernen.

Zurück

UNSER GLAUBE

Die Glaubensüberzeugungen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sind dazu angelegt, das ganze Leben zu durchdringen. Die heiligen Schriften der Bibel zeichnen ein überzeugendes Porträt von Gott.
Jeder ist eingeladen, den EINEN zu entdecken, zu erleben und kennen zu lernen, der nichts anderes, als uns heilen will.

Mehr herausfinden