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Adventistischen Pastorinnen wird weiterhin der Zugang zur Ordination verwehrt

09.07.2015 16:11 | adventisten.de - GK 2015 | von APD

San Antonio, Texas/USA, 09.07.2015/APD   Die Delegierten der 60. Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) der Siebenten-Tags-Adventisten in San Antonio, Texas/USA haben am 8. Juli mehrheitlich entschieden, dass es den weltweit dreizehn überregionalen Kirchenleitungen (Divisionen) auch weiterhin nicht gestattet sein soll, in ihrem Gebiet Frauen, die im Pastorendienst tätig sind, zu ordinieren.


Der Alamodom in San Antonio (Foto: ANN)

Mit dem „Nein“ haben die dreizehn überregionalen Kirchenleitungen (Divisionen) keine Möglichkeit zu entscheiden, ob sie die in ihrem Gebiet als Pastorinnen tätigen Frauen ordinieren wollen oder nicht. Es ging bei dieser Abstimmung nicht um die Frage, ob Frauen als adventistische Pastorinnen tätig sein dürfen oder nicht. Frauen als Pastorinnen sind seit langem in jenen Kirchenregionen tätig, in denen dies aus kulturellen Gründen möglich ist.

Frauen können nach ihrem Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten zwar als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung) berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen ist außerhalb von Nordamerika, Westeuropa, China und Australien/Ozeanien, wo nur etwa 13 Prozent der weltweit 18,5 Millionen Adventisten leben, umstritten.

Entwicklung der Frauenordinationsfrage
Die Weltsynode 2010 in Atlanta/Georgia hatte die Weltkirchenleitung (Generalkonferenz) beauftragt, ein Studium der Ordinationsfrage durchzuführen. Der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung der Siebenten-Tags-Adventisten setzte daher im Herbst 2012 eine 106-köpfige „Studienkommission zur Theologie der Ordination“ (Theology of Ordination Study Committee, TOSC) ein. Sie stand unter der Leitung von Pastor Artur Stele, einem der damals noch neun Allgemeinden Vizepräsidenten der Weltkirchenleitung und Direktor des Bibelforschungsinstituts der Generalkonferenz. In dieser Studienkommission waren Frauen und Männer, Theologen, Wissenschaftler, Kirchenleiter, Pastoren sowie Kirchenmitglieder ohne Amt aus der ganzen Welt vertreten, die sich bis Sommer 2014 mit der Theologie der Ordination befasst haben. Es war beabsichtigt, dass die sich aus diesem grundsätzlichen Studium ergebenden Schlussfolgerungen auch Aufschluss über die bisher noch nicht in der Freikirche mögliche Ordination von Pastorinnen geben sollten.

Die Ergebnisse der Studienkommission wurden im Oktober 2014 dem Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung vorgestellt. Dieser sollte der adventistischen Weltsynode 2015 in San Antonio Empfehlungen zur Abstimmung vorlegen. Dazu ist es aber nicht gekommen, weil sich die Studienkommission nicht auf eine gemeinsame Empfehlung einigen konnte und auch der Exekutivausschuss der Weltkirchenleitung darauf verzichtete. Stattdessen wurden die Ergebnisse der Studienkommission (TOSC) allen Interessierten auf einer Webseite zur Verfügung gestellt: www.adventistarchives.org/ordination

Diskussion und Abstimmungsverfahren
Artur Stele fasste die Arbeit der Studienkommission zur Ordinationsfrage am 08. Juli auf der Weltsynode in San Antonio zusammen: Trotz ausführlichem Studium und intensivem Gebet habe es am Schluss etwa drei gleich große Gruppen gegeben. Eine Gruppe der TOSC sei gegen die Frauenordination, eine andere dafür und eine dritte erachte die Frauenordination in der Kirche als möglich, obwohl sie davon überzeugt sei, dass Gottes „Modell“ das der männlichen Leiterschaft sei.

Den Delegierten wurde folgende Frage zur Abstimmung vorgelegt: „Ist es akzeptabel, dass die Exekutiv-Ausschüsse der Divisionen, falls sie es für ihre Felder für angemessen halten, die Möglichkeit schaffen, dass Frauen fürs Predigtamt eingesegnet werden?“

In Diskussionsbeiträgen, die aufgrund der vielen Wortmeldungen auf zwei Minuten pro Redner beschränkt wurden, konnten die Delegierten ihre Meinung an sechs Saalmikrophonen äußern. Befürworter der Frauenordination waren sich einig, dass es sich nicht um eine Frage handelt, die in der Bibel klar angesprochen oder geklärt werde. Es gehe vielmehr um die Anwendung von biblischen Prinzipien in je gegebenen kulturellen Begebenheiten. Gegner der Ordination von Frauen führten Bibelstellen an, die ihrer Meinung nach ausschließlich eine männliche Leiterschaft bezeugten.

Entscheidung
Von den bei der Abstimmung anwesenden 2.363 Delegierten aus 168 Ländern stimmten 58,4 Prozent (1.381) gegen die Ordination, 41,3 Prozent (977) sprachen sich dafür aus. Bereits vor 20 Jahren, anlässlich der 56. Weltsynode in Utrecht/Niederlande, stimmte das Kirchenparlament auf weltweiter Ebene mit 1.481 Nein- und 673 Ja-Stimmen deutlich gegen die Frauenordination.

Regionale Kirchenleitungen in den USA und Europa haben bereits Frauen ordiniert
Trotz der ablehnenden Haltung der Weltkirche bestehen bereits in folgenden Ländern Beschlüsse zur Ordinationen adventistischer Pastorinnen auf regionaler Ebene: Dänemark, Deutschland, Niederlande, Norwegen und Vereinigte Staaten von Amerika.

Andere Kirchen
Die Ordination von Frauen zu Geistlichen wird auch von der römisch-katholischen Kirche abgelehnt. Alle im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) vertretenen orthodoxen Kirchen akzeptieren sie ebenfalls nicht; dagegen wird sie von mehr als der Hälfte der Mitgliedskirchen des ÖRK praktiziert. Nach Angaben von „ideaSpektrum“ gibt es in Deutschland ebenfalls keine Frauenordination in der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK), den Brüdergemeinden, in Russlanddeutschen Gemeinden und in einzelnen Gemeinschaftsverbänden.

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