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Schlaflose Nächte, Zorn und Tränen

Ein Kommentar von Klaus van Treeck

18.06.2010/KvT. Der Gottesdienst spricht mich innerlich an.  Die Leiterin des Gottesdienstes bindet unsere täglichen Bedürfnisse an Gott zurück. Sie weitet unseren Blick auf die Ölkatastrophe vor der amerikanischen Küste. Ihre Gedanken und ihr Fürbittgebet bewegen mich stark. Ich fühle mich mit meinen Sorgen und Gefühlen von Gott gehört. Nach dem Gottesdienst bitte ich Claudia Ottschoffsky, mir ihre Gedanken und das Fürbittgebet aus dem Gottesdienst schriftlich zukommen zu lassen und sie zu veröffentlichen: „Die offene Ölquelle in den Wassern des Golfs von Mexiko verursacht mir schlaflose Nächte, Tränen und Zorn. Es ist der Öl-Supergau unseres Planeten, und er bekam weniger Schlagzeilen als Lena Satellite Eurovison.
 
Mein persönlicher apokalyptischer Albtraum: am Ozean sitzen, baden wollen, und das Wasser ist ölig und schwarz. Nicht ein bisschen, hier und da, sondern .... unendlich? In eineinhalb Kilometern Wassertiefe den Ölbohrer anzusetzen und keinerlei unter denselben Bedingungen erprobte und gesicherte Rettungsvorrichtungen bereitzuhalten – das machen noch nicht mal diese Kamikaze-Jungs aus unserer Kirche, die echt schon viel Mist gebaut haben. Wenn sie halbleere Spraydosen in einer Tonne auf dem Hinterhof zünden oder mit snowboards über Hüttendächer brettern, dann wissen sie, wo das nächste funktionierende Krankenhaus ist.
Nicht so internationale Konzerne. Spätestens seit Tschernobyl dürfte es keine Atomkraft mehr geben. Die Risiken sind nicht kontrollierbar und für die Abfälle gibt es überhaupt noch keine Lösung, nicht mal im Ansatz.

Aber die großen Öl- und Atomjungs in unserer Sandkisten-Welt haben die Baseballschläger, und wir anderen spielen nur mit bunten Plastikschaufelchen. Ölfördererfirmen sind Wilderer, Zocker und Totschläger. Öl ist Hehler-Ware. Wieso ist die Macht der Menschen guten Willens so filigran in unserer Welt, und die Macht der gewissenlosen Abräumer so unbegrenzt? In diesen Tagen, wo täglich bis zu 8 Millionen Liter Öl aus dem Erdinneren direkt in den Atlantik gedrückt werden, fällt mir kein Gebet mehr ein.Es ist bisher (heute, 14. Juni) ungefähr 10,6 mal die Ölmenge der Exxon Valdez ausgelaufen. BP Manager sind um ihr Image besorgt, nicht um die jahrzehntelange Verseuchung eines Weltmeers und seiner Küsten. Mir passt das Gebet des frommen König David aus Psalm 59: „Vertilge sie ohne alle Gnade, vertilge sie, dass sie nicht mehr da sind!“ ... Fürbitte ... ist Vertrauen.Ich merke, wie es mir fast im Halse stecken bleibt – eine Fürbitte ... für die Schöpfung – aber ich bemühe mich... :

Ich bitte für Tag und Nacht - dass die Tage hell bleiben und die Nächte dunkel.
Ich bitte für die Atmosphäre um die Welt, die Leben schützt.
Ich bitte für die Meere, für die Flüsse und Seen.
Ich bitte für den Erdboden und das, was aus ihm wächst,
Ich bitte für Ökosysteme und Pflanzen, für Bäume und Früchte und ihr Erbgut.
Ich bitte für alle Wesen, die im Wasser leben und für die Menschen, die Wasser lieben,
Ich bitte für die Vögel und den Raum der Luft.
Ich bitte für die Tiere, die auf Erde leben und in der Erde.
Ich bitte für die Menschen guten Willens.“

Wenn unsere Gottesdienste uns und diese Welt ganzheitlich wie an diesem Sabbat an Gott zurückbinden, dann verändert der Besuch des Gottesdienstes unser Leben. Und damit auch das Leben der Menschen, denen wir im Alltag begegnen.


Klaus van Treeck, Präsident der Freikirche im Norddeutschen Verband

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