thematisches Seitenbild

Von der unendlichen Suche nach adventistischer Identität

Ein Kommentar von Klaus van Treeck

07.05.2010/KvT. Wer mit offenen Ohren und wachen Augen die Stimmung innerhalb der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland wahrnimmt, spürt, dass theologische Fragen um die Identität der Freikirche die Gemüter bewegen. Da wundert es nicht, dass sich auch der Ausschuss der Freikirche im Norddeutschen Verband in der vergangenen Woche damit beschäftigt hat. Diese Frage bewegt mich so sehr, dass ich zum Umgang mit diesen Spannungen von meinen grundsätzlichen Prinzipien erzählen möchte. Die Frage nach ihrer Identität begleitet Siebenten-Tags-Adventisten seit ihrer Gründung. Die Suche nach einem tieferen Verständnis des Wortes Gottes, das Ringen um eine bessere biblische Begründung ihrer Glaubensüberzeugungen und die Suche nach gegenwärtiger Wahrheit ist Teil ihres Erbes. Durch dieses Selbstverständnis stellt sich die Freikirche dem Prozess der ständigen Veränderung und führt sie selbst und ihre Mitglieder und Freunde auf den Weg der nie endenden Suche nach Wahrheit. „Ich hätte euch noch viel zu sagen, aber ihr könnt es jetzt noch nicht begreifen. Wenn aber der Geist der Wahrheit kommt, werdet ihr die Wahrheit vollständig erfassen.“ (Jesus, nach Johannes 16,12 Hfa).

Von ihrem Selbstverständnis her bejaht die Freikirche damit die spiralhafte Bewegung von Sicherheit über Verunsicherung zu erneuter Sicherheit.  Damit fordert die Freikirche sich selbst heraus, die Stellung ihrer eigenen Tradition und ihrer Gründerväter und Mütter gegenüber immer wieder neu zu bestimmen. Dieses Konzept der dynamischen Wahrheit hat die Kirche und manches Gemeindeglied in Vergangenheit und Gegenwart verunsichert und in Krisen gestürzt - aber auch reifen und wachsen lassen. Adventisten haben sich auf ihrer Reise der Wahrheitssuche recht früh auf die Bibel als alleinige Quelle ihrer Glaubensüberzeugungen geeinigt. In der Bibel sehen sie die ausreichende Offenbarung des Willens Gottes, die für jeden Menschen die einzige Richtschnur des Glaubens und Handelns ist. In ihren wesentlichen Grundzügen lässt die Bibel niemand darüber im Zweifel, wie Menschen mit Gott versöhnt werden können und was es heißt, Gott und den Nächsten von ganzem Herzen zu lieben. Damit sind die unveränderlichen Grundlagen und Prinzipien des Glaubens verbindlich verankert und das Verhältnis von Gerechtigkeit und Gesetz für jeden verständlich erläutert.

Auf dieser Grundlage sind auch die 28 Glaubensüberzeugungen formuliert, die dem Selbstverständnis und Glauben der Siebenten-Tags-Adventisten zugrunde liegen. Adventisten sehen sich als Christen, die biblische Konzepte der Erlösung, des Gesetzes und der Prophetie harmonisch zusammenführen. Sie halten die Gebote Gottes und bleiben dem Glauben an Jesus treu (Offenbarung 14,12). Da jeder Mensch in seiner Persönlichkeit, seiner Prägung und in seinen Erfahrungen einmalig ist, werden auch der Glaube und das Leben eines Christen einmalig sein. Durch die beiden Konzepte der dynamischen Wahrheit und der Individualität und Selbstverantwortung des Gläubigen sind Spannungen im Verständnis adventistischer Glaubensüberzeugungen und des Lebensstils gar nicht zu vermeiden. Darum wird uns die Frage nach adventistischer Identität bis zur Wiederkunft Jesu begleiten und uns herausfordern. Zur Reife des Einzelnen, der Gemeinde und der Freikirche tragen unsere Spannungen und Krisen dann bei, wenn nichts zählt als das Wort Gottes und damit auch die Liebe zu Gott und zueinander.

Nur die Liebe lässt die Mauern von persönlichen Unterschieden einfallen und macht fähig, aufeinander zu hören, voneinander zu lernen und im Wesentlichen den Glauben gemeinsam zu bekennen und zu leben. „Meine Freunde, wenn Gott so sehr liebt, dann müssen auch wir einander lieben“ (1. Johannes 4,11).


Klaus – J. van Treeck ist Vorsteher der Freikirche des Siebenten-Tags-Adventisten im Norddeutschen Verband

zurück

© Siebenten-Tags-Adventisten in Deutschland

ADRAAdventverlagAdvent-Wohlfahrtswerk Bundesstelle (AWW)Theologische Hochschule FriedensauHOPE ChannelKrankenhaus WaldfriedeMedienzentrum Stimme der HoffnungDeutscher Verein für Gesundheitspflege (DVG)Schulzentrum Marienhöhe