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Konstanz würdigt Reformator Hus 2015 mit „Jahr der Gerechtigkeit“

28.11.2014 14:01 | APD | von Zentralredaktion

News des Adventistischen Pressedienstes

Konstanz, 28.11.2014/APD   Die Stadt Konstanz würdigt 2015, im Rahmen der Feierlichkeiten zum 600-jährigen Jubiläum des Konstanzer Konzils, den böhmischen Theologen und Reformator Jan Hus mit einem „Jahr der Gerechtigkeit“, teilte CBS KULTUR INFO mit. Der böhmische Reformator gilt als einer der Vordenker der Reformation. Jan Hus war mit dem Versprechen des freien Geleits zum Konstanzer Konzil gekommen, wurde dann aber inhaftiert und am 6. Juli 1415 als Ketzer in Konstanz verurteilt und verbrannt. Ein Jahr später ereilte seinem Gefährten Hieronymus von Prag das gleiche Schicksal.

Die Verurteilungen und Hinrichtungen der beiden böhmischen Gelehrten Jan Hus 1415 und Hieronymus von Prag 1416 gehören zu den Schattenseiten des Konstanzer Konzils (1414-1418). Jan Hus war nach Konstanz gereist, um seine theologischen Schriften zu verteidigen. Er hatte unter anderem kritisiert, dass die Kirche ihren Besitz mehre, viele Priester habsüchtig seien und forderte, dass man sich in Kirchenfragen auf die Bibel berufen sollte und nicht auf den Papst.

Der Prozess gegen Jan Hus auf dem Konstanzer Konzil 1415

König Sigismund, dessen Bruder König in Böhmen, der Heimat von Hus, war, hatte ihm dafür „Freies Geleit“ (salvus conductus) zugesichert. Die Zusage sollte ihn vor Strafverfolgung schützen und für Hin- und Rückreise sowie die Zeit in Konstanz gelten. Auch Papst Johannes XXIII., sagte Hus seinen Schutz zu. Trotz des königlichen Geleitbriefes und der päpstlichen Schutzzusage wurde Hus am 28. November 1414 gefangen genommen. Das Kirchenverständnis von Hus gefährdete in den Augen der Konzilsväter die Autorität der Kirche. Die Begründung zu seiner Verhaftung trotz Geleitbrief war, dass man einem Häretiker gegenüber keine verbindlichen Zusagen machen könne. Außerdem falle die Beurteilung seiner Lehren in den Zuständigkeitsbereich der Kirche und nicht in den des Königs.

Unter den Anklägern waren die einflussreichen Kardinäle d´Ailly, ehemaliger Kanzler der Sorbonne, sowie Fillastre, Jurist, und ebenfalls einer der führenden Akteure des Konzils. Ihr Ziel war es, Hus zum Widerruf seiner Lehren zu bringen.

Zu Beginn des Prozesses wurde eine Kommission mit der Prüfung der Schriften des Jan Hus beauftragt. Zunächst wurde Hus in seinem Gefängnis verhört, später folgten Anhörungen im Konstanzer Münster. Dabei ging es insbesondere um seine Haltung zu der Lehre des englischen Theologen John Wyclif.

Hus lehnte einen Widerruf stets ab. Er war fest davon überzeugt, rechtgläubig zu sein. Auch die Autorität des Konzils erkannte er nicht an. Schließlich wurde Jan Hus am 6. Juli 1415 als Ketzer verurteilt. Nach der Urteilsverkündung erfolgte die Degradation, die seinen Ausschluss aus dem geistlichen Stand bedeutete. Damit wurde er nun der weltlichen Gewalt unterstellt. Nachdem ihm eine Papiermütze als Zeichen des Häretikers aufgesetzt worden war, wurde er zur Hinrichtungsstätte geführt. Einen erneuten Aufruf zum Widerruf lehnte Hus ab, woraufhin er verbrannt wurde. Um eine spätere Reliquienverehrung zu verhindern, wurde seine Asche in den Rhein gestreut.

Endloses Warten auf Kirchenreform

Die vom römisch-deutschen König Sigismund und von Papst Johannes XXIII. für das Jahr 1414 nach Konstanz einberufene Kirchenversammlung sollte das seit mehr als 30 Jahren währende Große Abendländische Schisma – die Kirchenspaltung mit seit 1409 drei gleichzeitig amtierenden Päpsten – beenden und den drohenden Zerfall der katholischen Kirche verhindern. Mehr noch, es galt das Papsttum zu reformieren und gegen häretische Ideen vorzugehen. Diese Ziele, „causa unionis“ (Wiederherstellung der Einheit), „causa reformationis“ (Kirchenreform) und „causa fifidei“ (Klärung von Glaubensfragen), bildeten die Grundlage für ein kirchenpolitisches Großereignis und machten Konstanz vier Jahre lang zum Zentrum europäischer Politik und zu einer Plattform der kulturellen Begegnung und des Wissensaustausches.

Eine Reform der Kirche an „Haupt und Gliedern“ konnte vom Konstanzer Konzil jedoch nicht erreicht werden. Zwar wurde das Vorhaben auf zukünftige Konzilien vertagt, doch auch dort nicht gelöst. Rund einhundert Jahre später prangerte Martin Luther in seinen 95 Thesen die immer noch herrschenden Missstände in der Kirche an und gab damit den endgültigen Auslöser für eine Epoche, die den Namen „Reformation“ erhalten sollte.

Neben John Wyclif und Martin Luther zählt Jan Hus zu den drei herausragenden Persönlichkeiten des Reformationsprozesses im späten Mittelalter und der frühen Neuzeit. Die Todesurteile gegen Jan Hus und Hieronymus von Prag zählen zu den Auslösern der Hussitenkriege, die im 15. Jahrhundert Europa verunsicherten. Die erbitterten Auseinandersetzungen um den Glauben prägten den weiteren Verlauf der europäischen Geschichte bis heute.

Mit Internationalen und ökumenischen Gedenkveranstaltungen will die Stadt Konstanz im „Jahr der Gerechtigkeit“ an die beiden beständigen Männer erinnern und zur Auseinandersetzung mit Themen wie Toleranz, Umgang mit Andersgläubigen sowie Werten und ihrem Wandel anregen.

Konzilsgebäude

Das Konstanzer Konzilgebäude von damals existiert noch heute. Es wurde zwischen 1388 und 1391 als Handelsstützpunkt und Markthalle am See gebaut. In diesem Gebäude fand lediglich das Konklave der Papstwahl im November 1417 statt, wo der römische Kardinal Oddo Colonna als Pontifex Martin V. präsentiert wurde. Der eigentliche Sitzungssaal des Konzils war der Bischofsdom, das heutige Münster.

Hus-Museum

Das Gebäude, in dem Johannes Hus mit Freunden aus seiner böhmischen Heimat während des Konstanzer Konzils vom 3. November 1414 bis zu seiner Festnahme als Ketzer am 28. November wohnte, wurde 1923 der Prager Hus-Museum-Gesellschaft für die Einrichtung einer Gedenkstätte überlassen. 1980 wurde es als Museum eingerichtet. Die Ausstellung dokumentiert Leben und Werk von Jan Hus. Weitere Schwerpunkte sind: Hus und das Konstanzer Konzil, Hieronymus von Prag, ein Freund von Hus, der ebenfalls auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde (1416), und Hus’ Vermächtnis.

„Hussenstein“ zum Gedenken an Jan Hus

Ein schwarzer, querliegender Findling mit der goldenen Inschrift Johannes Hus am vermuteten mittelalterlichen Richtplatz im Stadtteil Brühl, westlich der Altstadt, nahe der Schweizer Grenze, erinnert an die Verbrennung des Reformators. Der als „Hussenstein“ bezeichnete Findling erinnert zugleich auch an den ebenfalls auf dem Konstanzer Konzil am 30. Mai 1416 hingerichteten Hieronymus von Prag. Daher ist in die andere Seite des Steins Hieronymus von Prag eingraviert.

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