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Kardinal Koch: Luther wurde von drei Päpsten rehabilitiert

28.10.2016 12:12 | APD | von Zentralredaktion

News des Adventistischen Pressedienstes

Vatikanstadt und Salzburg/Österreich, 28.10.2016/KAP/APD   Von der katholischen Lehre her ist die Exkommunikation Martin Luthers (1483-1546) bereits aufgehoben. Dies sei mit dem Tod des Reformators geschehen, sagte der vatikanische Ökumene-Beauftragte Kurienkardinal Kurt Koch am 26. Oktober vor Journalisten im Vatikan. Der Schweizer Kardinal erinnerte daran, dass drei nachkonziliare Päpste bereits „viele positive Sachen über Luther gesagt haben“. Ökumene-Experten sehen laut Kathpress (KAP) Anzeichen, dass die im Zuge des Papstbesuchs vom 31. Oktober in Lund/Schweden veröffentlichte Gemeinsame Erklärung von Vatikan und Lutherischem Weltbund auch eine Öffnung zur gegenseitigen Teilhabe am Eucharistischen Tisch beinhalten könnte.

Kurienkardinal Kurt Koch, Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, äußerte sich am 26. Oktober vor Journalisten vor der Reise von Papst Franziskus nach Lund/Schweden am 31. Oktober zum gemeinsamen Reformationsgedenken mit den Lutheranern.

Die wichtigen Päpste-Statements zu Luther begännen mit den Erläuterungen von Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Deutschland – in Mainz -, als er betont habe, „dass wir viel lernen können von Luther“, so Koch: „Dann haben wir die schöne Rede von Papst Benedikt in Erfurt, wo er sagte, das größte Anliegen Luthers sei die Gottesfrage gewesen. Die Zentralität der Frage Gottes und der Christozentrismus waren die wichtigsten Anliegen im Leben und Werk Luthers, und Papst Benedikt hat das ganz deutlich anerkannt. Das ist für mich auch das Wichtigste, und das ist das, was wir über Luther sagen können und was wir aus der Theologie und den Sorgen Luthers lernen können“, so der Kardinal wörtlich.

Allerdings seien die theologischen Unterschiede um das Amt, die Kirche und die Eucharistie weiterhin vorhanden, räumte Koch ein.

Kommt Zulassung zum Abendmahl?

Er, Koch, und die Führung des Lutherischen Weltbunds (LWB) – nämlich LWB-Präsident Bischof Munib Younan und LWB-Generalsekretär Martin Junge – hofften, dass die Ereignisse in Schweden hier neue Impulse geben könnten. Diese Hoffnung schließe ein, dass es neue Übereinkommen und sogar neue Vereinbarungen zur gegenseitigen Teilhabe am Eucharistischen Tisch geben könnte, sagte Kardinal Koch.

In ähnlicher Weise hatte sich am 21. Oktober bereits Kochs Mitarbeiter im Ökumenerat, Bischof William Kenney, in einem Interview gegenüber dem katholischen US-Webportal „cruxnow.com“ geäußert. Es sei zu erwarten, dass eines der Ergebnisse des Ökumene-Besuchs zur gemeinsamen Reformationsjahr-Eröffnung mit dem LWB in Schweden ein weiterer Schritt zur Öffnung sowie zur gegenseitigen Zulassung zum Abendmahl sein werde, so Kenney. Zum Inhalt der in Lund verabschiedeten Gemeinsamen Erklärung äußerte sich der Bischof nicht, so Kathpress. Der Text bleibe bis zum 31. Oktober unter Verschluss.

Experte hofft auf Ökumene-Zielbestimmung

Der Salzburger Ökumene-Experte Gregor Maria Hoff sagte in einem Interview mit der Kooperationsredaktion der österreichischen Kirchenzeitungen (Ausgabe 27. Oktober), er hoffe, dass in der Gemeinsamen Erklärung von Lund in Schweden „nicht nur bestimmt wird, was im ökumenischen Dialog bisher erreicht wurde, sondern auch, welche Ziele unmittelbar anstehen, gerade bei den neuralgischen Punkten – den Fragen des kirchlichen Amtes, des Abendmahls und des Papsttums“. Letztlich hänge alles stark davon ab, was Papst Franziskus in Lund tun werde. „Ich erwarte mir jedenfalls ein Zeichen ökumenischen Mutes“, so Hoff.

Lund als Ökumene-Destination – kluge Wahl

Von katholischer und evangelischer Seite sei klug gewesen, dass Lund und nicht Wittenberg als Ökumene-Destination ausgewählt worden sei, so Hoff: „Papst Franziskus in Wittenberg würde vielleicht das Reformationsgedenken überstrahlen. Außerdem ist zu respektieren, dass der Lutherische Weltbund klar gesagt hat, dass Reformation heute keine allein deutsche Sache mehr ist, sondern schon länger weltweite Dimensionen hat. Deshalb eröffnet der Bund das Jahr des Reformationsgedenkens in Lund, wo er vor 70 Jahren gegründet wurde, und hält seine Generalversammlung 2017 in Windhuk (Namibia) ab. Den Papst nach Wittenberg einzuladen, würde das durchkreuzen.“

Gegenseitige eucharistische Gastfreundschaft?

Auch wenn man „keine utopischen Vorstellungen“ davon haben sollte, wie Kircheneinheit aussehen könne, heiße das aber nicht, „dass wir auf ewig auf eine gemeinsame Abendmahlsfeier verzichten müssen“, sagte Hoff. „Wenn wir das nicht zumindest auf Basis einer gegenseitigen eucharistischen Gastfreundschaft schaffen, wie sollen wir da jemals zu einer Einheit kommen?“

Unter Führung des Heiligen Geistes sei „mehr machbar, als wir uns vorstellen können“, so der Theologe, und weiter: „Wenn wir die gemeinsame Taufe und gemeinsame Märtyrer haben und sagen, dass wir im Heiligen Geist glauben – und nicht weil man katholisch oder evangelisch ist – frage ich mich: Ist da die Einheit nicht stark genug, dass wir in besonderen Situationen, wenn es darum geht, das gemeinsame Christentum zu bekennen, nicht auch gemeinsam Abendmahl/Eucharistie feiern? Ist es da nicht möglich die Art, wie die Gegenwart Christi jeweils verstanden wird, dem Heiligen Geist zu überlassen?“

Weitere Beiträge rund um das Reformationsjahr 2017 und die Papstreise nach Schweden unter www.kathpress.at/reformation

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