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Friedensgottesdienste beim Evangelischen Kirchentag

28.05.2017 14:18 | APD | von Zentralredaktion

News des Adventistischen Pressedienstes

Margot Käßmann in der überfüllten Zionskirche
© Foto: Holger Teubert/APD

Berlin, 28.05.2017/APD   Während des Deutschen Evangelischen Kirchentags fanden in Berlin auch drei Friedensgottesdienste statt. Den Gottesdienst in der Zionskirche gestaltete die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK), in die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche lud die Evangelische Seelsorge in der Bundeswehr ein und in der St. Thomaskirche kam der Friedensbeauftragte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Wort.

Überfüllte Zionskirche

Auch keine Stehplätze gab es mehr in der Zionskirche beim Friedensgottesdienst mit Margot Käßmann, EKD-Reformationsbotschafterin sowie ehemalige EKD-Ratsvorsitzende und frühere hannoversche Landesbischöfin. In ihrer Predigt wandte sie sich gegen die erneute Forderung des US-Präsidenten Donald Trump, dass die NATO-Mitgliedsstaaten zwei Prozent des Bruttoinlandprodukts für die Verteidigung auszugeben hätten. Das würde in Deutschland fast eine Verdopplung gegenüber 2015 bedeuten. Doch Aufrüstung und mehr Waffen hätten noch nie mehr Frieden bedeutet. Käßmann erinnerte an die Pazifistin Bertha von Suttner (1843-1914), die als erste Frau 1905 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet wurde. 1889 erregte sie zwar mit ihrem pazifistischen Roman „Die Waffen nieder!“ großes Aufsehen, aber auch viel Spott. Sie starb wenige Wochen vor dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Noch 1912 hatte sie vergeblich vor einem internationalen Vernichtungskrieg gewarnt. Immer noch sei Bertha von Suttner mit ihrer Botschaft „Die Waffen nieder!“ ein Vorbild. Wenn bei heutigen Konflikten von der Feindesliebe gesprochen werde, die Jesus fordere, gelte man ebenfalls als realitätsfern. Und dennoch: Liebe bewirke mehr als noch so viele Waffen.

Die Zionskirchengemeinde in Berlin-Mitte bot in den 1980er Jahren oppositionellen Friedens- und Umweltgruppen Raum. Die Kirche wurde zu einem Symbolort des gewaltfreien kirchlichen Widerstands gegen das DDR-Regime. In der Zionskirche wirkte auch Dietrich Bonhoeffer als Stadtsynodalvikar.

Eklat in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche

Unter dem Kirchentagsmotto „Du siehst mich – und erinnerst dich“ hielten in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) und Militärbischof Sigurd Rink in einem Bittgottesdienst für den Frieden eine gemeinsame Dialogpredigt. Dabei kam es in der Kirche zu zwei Protestaktionen gegen eine „Verstrickung der evangelischen Kirche mit der Bundeswehr”. Einen lautstarken Protest mit Zwischenrufen und Gesängen von zwei Aktivistinnen, die sich von der Empore abseilten und ein Plakat mit der Aufschrift „War starts here“ (Der Krieg beginnt hier) entrollten. Beim eher ruhigen Protest entfalteten drei Frauen am Altar neben der predigenden Ministerin ein Transparent gegen Kampfdrohnen für die Bundeswehr. Ursula von der Leyen bat die Frauen sich mit dem Transparent neben sie zu stellen. Die Ministerin ging auf die Protestierenden mit den Worten ein: „Meine Soldatinnen und Soldaten, für die ich verantwortlich bin, stehen in mehreren Ländern auch dafür ein, dass ihr hier gegen uns sein könnt.“ Darauf reagierten die Gottesdienstbesucher mit heftigem Applaus. Der Gottesdienst wurde, begleitet von weiteren Zwischenrufen, fortgesetzt.

Frieden bauen ist möglich

In der St.-Thomas-Kirche in Berlin-Kreuzberg hielt Renke Brahms, der Friedensbeauftragte der EKD, eine Predigt zum Thema „Kriegsleid beklagen − Frieden bauen“. In der Bergpredigt Jesu werden wir an jene erinnert, die Leid tragen, denn die sollen getröstet werden, so Brahms. Ohne das Mitfühlen mit den Leidenden und den Verfolgten werde es keinen Frieden geben. Ohne Mitgefühl und Blick für die Opfer würde nur noch die Sprache der Sieger, der Mächtigen und der Gewalt herrschen. Niemand solle sich einreden lassen, dass Frieden bauen nicht möglich wäre oder nur durch Gewalt, den Einsatz von Militär und Bomben erreicht werden könne. Es gebe eine Vielzahl Beispiele von Friedensarbeit, die gelinge, betonte Brahms. Etwa der orthodoxe Christ aus Syrien, der unter dem Einsatz seines Lebens einen Austausch von Geiseln arrangiert und mit seiner Glaubwürdigkeit sogar mit Extremisten einen lokalen kleinen Frieden schließt. Oder der Muslim aus Nigeria, der seit Jahren Pastoren und Imame zusammenbringt und im Interreligiöser Dialog einen bedeutsamen Beitrag zum Frieden leistet.

Nach dem Gottesdienst fand in der St.-Thomas-Kirche ein Workshop statt zum Thema „Die Kirchen auf dem Weg des Friedens. Was geht? Geht was?!“ unter Leitung des mennonitischen Friedenstheologen Professor Dr. Fernando Enns (Amsterdam und Hamburg).

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