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Die Gabe der Weissagung

Eine der Gaben des Heiligen Geistes ist die Weissagung. Diese Gabe ist ein Kennzeichen der Gemeinde der Übrigen und hat sich im Dienst von Ellen G. White erwiesen. Die Schriften dieser Botin des Herrn sind eine fortwirkende, bevollmächtigte Stimme der Wahrheit und geben der Gemeinde Trost, Führung, Unterweisung und Zurechtweisung. Sie heben auch deutlich hervor, dass die Bibel der Maßstab ist, an dem alle Lehre und Erfahrung geprüft werden muss. | Glaubensüberzeugungen der Siebenten-Tags-Adventisten, Nr. 18

Dan Kuta | photocase.de

Prophetie – Eine Gabe des Geistes

Was Propheten im Namen Gottes verkündeten, war in erster Linie für ihre Zeitgenossen bestimmt. Deshalb haben auch längst nicht alle ihre Botschaften den Weg in den Kanon der Heiligen Schriften gefunden. In biblischen Zeiten gab es Männer und Frauen, die prophetisch redeten, deren Worte und Schriften uns aber nicht erhalten geblieben sind, darunter Nathan und Gad (1 Chronik 29,29), Ahija und Jedo (2 Chronik 9,29), Schemaja und Iddo (2 Chronik 12,15) sowie die vier Töchter des Philippus in neutestamentlicher Zeit (Apostelgeschichte 21,9).
Andererseits finden sich allein im Alten Testament vier große und zwölf kleine Prophetenschriften (von Jesaja bis Maleachi). Im Neuen Testament ragt ein prophetisches Buch – die Offenbarung – heraus.

In den frühchristlichen Gemeinden waren Propheten – wahre ebenso wie falsche – keine Seltenheit, sondern etwas Alltägliches (Matthäus 7,15; Apostelgeschichte 11,27.28; 13,1.6; 1 Korinther 11,4.5; 1 Johannes 4,1; Offenbarung 22, 6.9). Sie spielten eine wichtige Rolle (Lukas 11,49; Apostelgeschichte 15,32; 1 Korinther 14) und werden in den paulinischen Gabenlisten gleich nach den Aposteln – einmal sogar als Erste – genannt (Römer 12, 6; 1 Korinther 12, 28; Epheser 4, 11). Nach Paulus ist die Gemeinde „erbaut auf den Grund der Apostel und Propheten“ – gemeint sind hier offenbar damals lebende Propheten (Epheser 2,20; 3,5). Mit ihrem Auftreten kann die Gemeinde Jesu bis ans Ende der Zeit – ja, besonders am Ende der Zeit rechnen (Joel 3,1-4; Matthäus 23,34; 24,11.24; 1 Korinther 13,8-10; 2 Petrus 2,1-3). Ausdrücklich werden die Gläubigen deshalb ermahnt, prophetisches Reden nicht zu verachten (1 Thessalonicher 5,20).

Im 19. Jahrhundert entstanden in zeitlicher und geographischer Nähe zwei neue Kirchen, deren Mitbegründer als Propheten galten (Mormonen: Joseph Smith; Siebenten-Tags-Adventisten: Ellen White). Im 20. Jahrhundert erlebten die spektakulären Charismen (Zungenrede, Prophetie, Heilungen usw.) eine Renaissance, die bis heute unvermindert anhält und weite Teile der Christenheit erfasst hat. Um solche religiösen Bewegungen und Phänomene zu beurteilen, gibt Paulus den wichtigen Rat: „Den Geist dämpft [unterdrückt] nicht. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt.“ (1 Thessalonicher 5,19-22)

Ellen G. White – eine neuzeitliche Prophetin

Im Herbst des Jahres 1844 erlebten die Adventisten, die mit William Miller fest an Jesu Wiederkunft geglaubt hatten, eine bittere Enttäuschung. Die Adventbewegung zerbrach. An ihrer Stelle entstanden mehrere kleinere und kleinste Gruppierungen; eine extreme Richtung vertrat unbiblische Anschauungen und Praktiken. In diesen Kreisen verkehrten anfangs auch die späteren Gründer der Siebenten-Tags-Adventisten. Innerhalb kurzer Zeit jedoch wandten sie sich von solchen extremen Auffassungen ab, erklärten die Bibel zur alleinigen Grundlage ihres Glaubens und Lebens und gründeten eine missionarische Bewegung, die inzwischen zu einer weltweit verbreiteten und geachteten christlichen Freikirche geworden ist.

Adventisten verdanken dem Wirken Ellen Whites außerordentlich viel – nicht zuletzt ihre eigene Existenz. Die Betonung des persönlichen Glaubens an Christus, das Bekenntnis zur Bibel als dem verbindlichen Maßstab christlichen Glaubens und Lebens, das Festhalten an der Hoffnung auf die baldige Wiederkunft Jesu, das daraus resultierende missionarische und sozial-karitative Engagement mit Tausenden von Bildungs-, Sozial- und Gesundheitseinrichtungen – das alles hätte es ohne ihr unermüdliches Wirken so nicht (oder überhaupt nicht) gegeben.

Kein Wunder, dass Siebenten-Tags-Adventisten glauben, dass sich die Gabe der Prophetie im Leben von Ellen White eindrucksvoll und nachhaltig gezeigt hat. Schließlich hält die positive Wirkung ihres prophetischen Dienstes bis heute an.

Das größere und das kleinere Licht

Doch wie verträgt sich die Aussage, Ellen Whites Schriften seien „eine fortwirkende, bevollmächtigte Stimme der Wahrheit“ mit dem protestantischen Grundsatz, dass allein die Bibel der Maßstab für Glauben und Leben eines Christen ist? Können sich Adventisten auf das „sola scriptura“- Prinzip berufen, wenn sie zugleich Ellen White als prophetische Autorität anerkennen?
Anders gefragt, vertreten sie wirklich eine evangelische und freikirchliche Position – oder besitzt das adventistische Bekenntnis „sektenhafte“ Züge?

Adventisten geben darauf eine klare Antwort – ganz im Sinne von Ellen White selbst. Sie „anerkennen allein die Bibel als Richtschnur ihres Glaubens“. Die Bibel ist „der Maßstab für den Charakter und der Prüfstein aller Erfahrungen. Sie ist die maßgebende Offenbarungsquelle aller Lehre“ (Präambel und Art. 1 der Glaubensüberzeugungen).

Wie aber sah Ellen White selbst ihre Aufgabe und Rolle gegenüber der Heiligen Schrift? Unter Hinweis auf die Schöpfungsgeschichte verglich sie die Bibel mit der Sonne, dem „größeren Licht“, sich selbst dagegen mit dem Mond, dem „kleineren Licht“ (1 Mose 1,16). Wie der Mond kein eigenes Licht ausstrahlt, sondern nur das Sonnenlicht widerspiegelt, so verkündet auch sie keine neuen Lehren und bringt keine zusätzlichen Wahrheiten hervor. Vielmehr weist sie die Menschen auf das verbindliche Wort Gottes hin, dem alle echte prophetische Rede dient.

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