Andachten

Andacht

Andacht 12.09.2018

12. September 2018 | Beate Strobel

Andacht 12.09.2018

Doch Jesus befahl ihm: „Steck dein Schwert weg! Wer Gewalt anwendet, wird durch Gewalt umkommen.“

Ich liebe mein Zuhause. Es ist für mich mein Rückzugsort. Doch so eine kleine heile Welt ohne Angst vor Zerstörung und Angriffen - das gab es nicht immer. Ich bin sehr dankbar, dass ich weder Krieg noch Flucht erleben musste. Es gibt schlimme Konflikte in vielen Ländern, unter denen die Menschen leiden. Häufig spielen die Religionen eine große Rolle. Es scheint, als hätte der Glaube Mitschuld an der Gewalt zwischen Menschen und Völkern. Aber eigentlich machen sich alle Religionen Gedanken um Konflikte und Gewalt und suchen Wege, den Frieden zu fördern.
„Shalom“ ist das hebräische Wort für Frieden. Es bezeichnet im Alten Testament Gottes Willen, dass sein Volk in Frieden leben soll - im Frieden mit sich selbst, untereinander, mit den Nachbarvölkern und mit Gott. Gleichzeitig aber erzählt die Bibel auch davon, dass es ein Leben ohne Streit und Konflikte nicht gibt. Wut und die Fähigkeit, Gewalt auszuüben, all dies gehört zum Menschen. Im Neuen Testament sagte Jesus zu einem Jünger, der versuchte, Jesu Verhaftung zu verhindern: „Steck dein Schwert weg!“ So positionierte Jesus sich zur Gewalt. Für viele Anhänger Jesu ist dies die Richtschnur: Kampf ist keine Lösung. Steck dein Schwert weg!
Friede entsteht nicht zufällig, er hat mit überlegtem Tun und Lassen von Menschen zu tun. Die Fähigkeit zu Verständigung und Verzicht auf Gewalt gehört ebenfalls in das Repertoire menschlicher Möglichkeiten. Wenn in der Bibel von Frieden die Rede ist, geht es nie nur um einen Menschen, sondern um eine Gruppe, eine Gemeinschaft. Frieden hat etwas damit zu tun, mitzuhelfen, dass es ein klein wenig besser zugeht.
In Wiesbaden besuchten Helfer mit Flüchtlingen ein Möbelhaus. Sie gingen zusammen durch und besprachen, was zu sehen ist und was die Menschen aus ihrem früheren Zuhause vermissen: einen Esstisch, Teppiche, gemütliche Sessel. Der Schmerz blieb, aber sie machten Pläne für ihr späteres Leben. Vielleicht kommen sie irgendwann zurück in ihr altes Zuhause und denken dann an den Frieden, den andere Menschen ihnen vermittelt haben. Gottes Friedensauftrag führt zu vielen Begegnungen und ist keine Glückssache, aber ein großes Glück.

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