Andachten

Andacht

Andacht 02.07.2019

02. Juli 2019 | Nicole Spöhr

Andacht 02.07.2019

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

Mein Vater ist ein Fan von Reinhard Mey. So wuchsen meine Schwestern und ich mit der mal nachdenklichen, mal humorvollen, aber immer sehr erzählerischen Musik dieses deutschen Liedermacher-Urgesteins auf. Noch heute höre ich sie gern: „Die Homestory“, „Poor Old Germany“ (ein Muss für Freunde der deutschen Sprache) oder „Keine ruhige Minute“. Letzterer ist auch der Titel eines Albums, auf dem ein weiteres Stück zu hören ist: „Zeugnistag“. Hier erinnert sich Mey an einen besonders schlechten Schuljahresabschluss („Nicht einmal eine 4 in Religion.“).
Der Zwölfjährige befürchtet Ärger: „Oh Mann, mit diesem Zeugnis kommst du besser nicht nach Haus“, und fälscht kurzerhand die Unterschriften seiner Eltern („Schön bunt, sah nicht schlecht aus, ohne zu prahl’n!“). Dem Rektor bleibt das nicht verborgen; er zitiert die Eltern in die Schule und freut sich auf „die Maulschellen für den Betrüger, das missrat’ne Stück“ – doch die Reaktion fällt ganz anders aus. Vater und Mutter bestätigen, dass dies sehr wohl ihre Unterschriften sind, auch wenn sie etwas anders aussehen als üblich. Mit den Worten „Komm, Junge, lass uns geh’n“, beendet die Mutter das Gespräch.
Schon zigmal habe ich dieses Lied gehört, doch plötzlich traf mich der Gedanke: Ist so nicht Gott im Umgang mit uns? Entspricht er nicht genau diesen Eltern, die ihr Kind in Schutz nehmen, obwohl es Mist gebaut hat? Das Gottesbild mancher Menschen ähnelt vielleicht eher dem Rektor, der sich freut, endlich einen handfesten Beweis für das Versagen dieses unmöglichen, eigenwilligen Kindes in der Hand zu haben, und die drohende Strafe genießt. Doch die Bibel beschreibt Gott anders – als jemanden, der Gedanken des Friedens, nicht des Zorns über uns hat. Jesus zeigte insbesondere der damaligen Elite, dass Mitgefühl und Liebe viel wichtiger sind als Rechthaberei. Das Wohl des Menschen war ihm wichtiger als die Moral, und nach eben dieser Maxime handelte er – für viele völlig unverständlich und unangemessen!
Auch Reinhard Mey wirft die Frage nach der Moral auf, aber stellt dann fest, worauf es wirklich ankommt: „Wie gut es tut, zu wissen, dass dir jemand Zuflucht gibt, ganz gleich, was du auch ausgefressen hast!“
Dieser Jemand ist Gott.

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