Andachten

Andacht

Andacht 05.11.2019

05. November 2019 | Thomas Lobitz

Andacht 05.11.2019

Bildnachweis: cydonna / photocase.de

Und er [der Samariter] ging zu ihm [dem Überfallenen], goss Öl und Wein auf seine Wunden und verband sie ihm, hob ihn auf sein Tier und brachte ihn in eine Herberge.

Im vorletzten Winter litt ich unter einer starken Erkältung mit Ohrentzündung. Die Schmerzen waren unangenehm und so machte ich mich zu Fuß auf den Weg zum Arzt. Plötzlich steigerte sich der Schmerz ins Unerträgliche. Das Trommelfell platzte, mir wurde schwindelig und ich stürzte auf den Weg. Wenige Augenblicke später sprach mich jemand auf Englisch an. Ich blickte auf und konnte verschwommen einen jungen, orientalisch aussehenden Mann erkennen. „Do you need help?“ Er zog mich hoch, stützte mich und wickelte seinen Schal um meine Ohren. Gemeinsam gingen wir zur nahe gelegenen Arztpraxis. Unterwegs erzählte er, dass er aus Syrien vor dem dortigen Krieg geflüchtet sei. Er gab mich am Eingang ab und verschwand zunächst. Als ich nach der Behandlung die Praxis verließ, wartete er draußen, um zu sehen, ob es mir wieder besser ginge. Ich wollte ihm seinen Schal zurückgeben, doch er wehrte energisch ab, verabschiedete sich und ging seines Weges.
So fühlt es sich also an, wenn man von einem „barmherzigen Samariter“ aufgelesen wird, dachte ich bei mir. Die Parallelen waren kaum zu übersehen. Auch wenn ich nicht von Menschen überfallen wurde, hatte mir die Entzündung doch die Gesundheit geraubt. Und der Helfer war ein Fremdling, jemand, der nicht in Deutschland aufgewachsen, sondern hierhin geflohen war, vielleicht von manch anderen verachtet und mutmaßlich Anhänger einer anderen Religion.
Zwei Dinge nehme ich aus diesem Erlebnis mit. Zum einen kann eine vermeintlich kleine Hilfe in Wirklichkeit eine sehr große Hilfe sein. Für mich war der „syrische Samariter“ ein Retter in der Not. Wer weiß, ob ich den Weg zum Arzt allein geschafft hätte. Zum anderen will ich lernen, stärker als bisher auf die inneren Impulse zu achten, wenn ich sehe, dass jemand Hilfe braucht. Denn sie könnten göttlichen Ursprungs sein – Gelegenheiten und Aufträge, um praktische Nächstenliebe zu üben und so die Liebe Gottes zu bezeugen. Es sind oft nur Kleinigkeiten, aber sie können eine große Wirkung haben.
Den Schal habe ich immer noch, er dient mir als Erinnerung an diese Erfahrung und als Ermutigung, ebenso zu handeln.

Zurück

UNSER GLAUBE

Die Glaubensüberzeugungen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sind dazu angelegt, das ganze Leben zu durchdringen. Die heiligen Schriften der Bibel zeichnen ein überzeugendes Porträt von Gott.
Jeder ist eingeladen, den EINEN zu entdecken, zu erleben und kennen zu lernen, der nichts anderes, als uns heilen will.

Mehr herausfinden