Andachten

Andacht

Andacht 02.01.2020

02. Januar 2020 | Jessica Schultka

Andacht 02.01.2020

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

… wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

Die Bitte, die dem heutigen Bibeltext vorausgeht – „Und vergib uns unsere Schuld“ –, wird mit dem Halbsatz „wie auch wir vergeben unsern Schuldigern“ so selbstverständlich zu Ende gebracht, dass es ein ungutes Gefühl hinterlassen kann, mich unter Druck setzt oder gar wütend macht. Denn vielleicht kann oder will ich (noch) gar nicht vergeben!
Mit diesem Satz aus dem Vaterunser wurde vermutlich in der Vergangenheit auch viel Leid verursacht. Jesus erklärt ein wenig später in der Bergpredigt: „Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, so wird euch euer himmlischer Vater auch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, so wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.“ (Mt 6,14–15 BB) Wer Leid erfahren hat, bekommt jetzt auch noch den Druck, vergeben zu müssen, ansonsten wird Gott auch ihm nicht vergeben. Oder wie ist das zu verstehen?
Es bedeutet erst mal, dass Schuld und Vergebung mehrere Dimensionen haben. Wir leben in Beziehungsgefügen, bei denen Verstrickungen vorprogrammiert sind. Oft werden aus Opfern Täter, und die meisten Täter waren an irgendeiner Stelle auch Opfer. Es ist also logisch und nachvollziehbar, dass auch Vergebung zwei Seiten hat: sie zu empfangen und zu gewähren.
Wem vergeben wurde, aber wer selbst nie vergibt, ist nicht erlöst. Damit meine ich nicht, ob die Person in den Himmel kommt oder nicht, sondern erlöst im Sinne von befreit. Denn ich bin mir sicher, dass Schuld immer gefangen nimmt. Wer ständig darüber nachsinnt, was ihm angetan wurde, verinnerlicht diese Schuld so sehr, dass sie zur eigenen Belastung wird. Um weder in den eigenen Fehlern noch in denen des anderen zu versumpfen, müssen wir sie dorthin geben, wo man damit umgehen kann – in Gottes Hände. Wir werden erst dann erlöst, wenn wir die Schuld des anderen loslassen.
Das bedeutet nicht, dass wir Schuld gutheißen oder vertuschen. Gerade weil sie einen Akt der Befreiung von uns braucht, nehmen wir sie und ihre zerstörerische Kraft ernst.
Jesus sagt: Du wirst von deiner Schuld befreit. Du musst es auch wagen, dich befreien zu lassen, indem du loslässt und vergibst.

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