Andachten

Andacht

Andacht 11.05.2020

11. Mai 2020 | Dennis Meier

Andacht 11.05.2020

Bildnachweis: boing / photocase.de

Und wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit.

Bei seiner ersten Predigt verheddert sich ein junger Seminarist komplett in seinem Konzept, fängt an zu stottern und geht schließlich weinend auf seinen Platz zurück. Da wendet sich eine ältere Frau zu ihrer Sitznachbarin und sagt: „Wäre er reingekommen, wie er rausging, dann wäre er rausgegangen, wie er reinkam.“ Diese kleine Kanzelweisheit enthält eine schmerzhafte Wahrheit, die wir gern unterdrücken: Fast jede Begegnung mit dem großen Gott beginnt mit dem Bewusstsein der eigenen Unvollkommenheit und Zerbrechlichkeit. Als ich 1988 meine erste Predigt hielt, ging ich zwar nicht weinend von der Kanzel, aber mir drängte sich die Frage auf: Was nun? Die Welt dreht sich weiter, niemand ist schluchzend und um Vergebung bittend nach vorn gekommen; stattdessen haben sich alle nett verabschiedet und sind zum Mittagessen gegangen. Als ich viel später den Mut bekam, meine eigene Zerbrochenheit und Unfertigkeit mit auf die Kanzel zu nehmen, merkte ich, wie nicht ich, sondern Gott meine Worte formte.
Viele Predigten, die ich höre, lassen sich gut mit den Worten zusammenfassen: „Ihr tut nicht genug! Macht mehr!“ Viele Gemeinden haben sich gegen diese Form der Besserwisserei und Bevormundung eine gesunde Immunisierung zugelegt. Appelle verhallen schnell. Aber Geschichten vom Scheitern am Beginn des Neuen und Unerwarteten, von Gottes Wirken in den Trümmern und der Zerbrechlichkeit meines Lebens – die packen uns, da keimt die Hoffnung in uns auf und wir erahnen, dass Gott auch bei mir etwas verändern will.
Authentisch diese Brüche offenzulegen, dazu bedarf es nicht nur des Mutes, sondern auch eines Schutzraumes. Vor Jahren saß ich in einer Bibelgesprächsgruppe, als plötzlich die Tür aufging. Ein übernächtigtes Gemeindeglied kam herein, setzte sich an den Tisch fing an zu weinen. Seine Frau hatte in der Nacht einen Herzinfarkt erlitten, und er kam direkt aus dem Krankenhaus. Ich wäre an seiner Stelle wohl lieber allein nach Hause gefahren. Aber er, vor Kurzem getauft, lebte uns etwas vor: Hier ist der Raum, um echt zu sein. Hier treffen wir uns in unserer Zerbrechlichkeit. Mitleiden kann nur, wer seine eigene Brüchigkeit immer wieder anerkennt. Das war ein heiliger Moment, an den ich gern zurückdenke. Er hat mir deutlich gemacht, an welcher Gemeinde ich mitbauen will.

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