Andachten

Andacht

Andacht 04.07.2020

04. Juli 2020 | Beate Strobel

Andacht 04.07.2020

Bildnachweis: AllzweckJack / photocase.de

Alles, was auf der Erde geschieht, hat seine von Gott bestimmte Zeit: weinen und lachen, wehklagen und tanzen, … schweigen und reden. Das Lieben hat seine Zeit und auch das Hassen, der Krieg und der Frieden.

Im Flugzeug sitze ich in der Mitte einer Dreierreihe. Häufig stoße ich mit den Armen oder Beinen die beiden Passagiere neben mir an. Ich lächle verlegen, sie auch. Ich konzentriere mich auf den Film auf dem Bildschirm vor mir. Etwas verkrampft sitzend muss ich zwischendurch eingeschlafen sein. Ich merke, dass es neben mir wackelt, und ich schaue nach rechts. Mein Sitznachbar weint. Sein Körper zuckt und die Tränen fließen. Betreten schaue ich wieder auf meinen Bildschirm. Vielleicht will er ja nicht, dass ich ihn so sehe. Aber ich kann nicht einfach dasitzen. Er schluchzt wie ein Kind. Ich sehe ihn direkt an, unsere Blicke treffen sich. Ich nehme meine Kopfhörer ab als Geste, dass wir reden können. Und er beginnt: „Es ist wegen des Films“, er deutet auf den Bildschirm, „sie ist gestorben!“ Ich sehe eine Beerdigungsszene mit vielen Menschen in schwarzer Kleidung. „Es tut mir so gut, wenn ich mal weinen kann. Sonst muss ich immer so stark und kontrolliert sein. Aber hier im Flieger, da kennt mich keiner …“ Mein Sitznachbar steht in diesem Moment zu seinen Tränen und seinen Gefühlen. Ja, es tut gut, weinen und darüber sprechen zu können. Nach ein paar Minuten, nachdem er mir den Filmablauf kurz schilderte, atmet er ruhiger, setzt seine Kopfhörer wieder auf und schaut den Film weiter.
Wie kommt es nur, dass man sich in der Anonymität eher traut, seine Gefühle zu zeigen, als im „richtigen Leben“? Ich bin jemand, der ziemlich nah „am Wasser gebaut“ ist, und manchmal, wenn ich etwas erlebe, was mir nahegeht – Schönes oder Schweres –, laufen mir die Tränen übers Gesicht. Zugegeben, hin und wieder brachte ich damit schon andere in Verlegenheit, die nicht wussten, wie sie reagieren sollen. Es tut gut, wenn man dann Menschen an der Seite hat, die zuhören oder einen in den Arm nehmen. „Weinen und lachen“ hat seine Zeit und „schweigen und reden“, heißt es im heutigen Andachtstext. Das sollten wir tun dürfen, ohne uns zu schämen, ohne uns etwas verkneifen zu müssen oder daran zu ersticken. Weinen zu können wie ein Kind hat etwas Befreiendes – denn Trauer hat heilende Kräfte.

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