Andachten

Andacht

Andacht 15.07.2020

15. Juli 2020 | Claudia Mohr

Ein einzelner zarter grüner Grashalm vor grünem Hintergrund.

Bildnachweis: judigrafie / photocase.de

Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet.

Es gab einmal einen adventistischen Einsiedler. Sein Name war Ernst Otto Karl Grassmé. Er lebte fast 40 Jahre lang in einem acht Hektar großen Birkenmoorwäldchen in der Nähe von Hamburg. Seine Einsiedelei bestand aus Müll, Gerümpel und vergammelten Wohnwagen. Der berufslose Moorbewohner galt als großer Exzentriker und war Hobbybastler, (Ideen-)Sammler, Hühner- und Ziegenzüchter, Fantast, Hobbyfotograf, Funker und Gärtner. Er kämpfte täglich mit Wasserratten und dem Hühnerhabicht, mit seiner Gemüseernte und mit Bibelerörterungen. Und er war sehr fromm.
Dieses Moor war sein Paradies. Um einer Einweisung in eine Anstalt zu entgehen, zog sich Grassmé dorthin zurück. Seine Frau Berta, die er nach dem Zweiten Weltkrieg heiratete, blieb in der Hamburger Wohnung. Sie kam einmal in der Woche und kümmerte sich um sein Wohl. Sie machte die Wäsche, half bei der Gartenarbeit und verkaufte Eier oder Suppenhühner in der Nachbarschaft. Grassmé starb 1992 in seinem verwunschenen Trümmerfeld. Heute findet man dort keine Spuren mehr. Es wirkt wie ein unberührtes Naturschutzgebiet im norddeutschen Hinterland.
Ein Leben jenseits der Normalität: kaputt, irre, sonderbar. Andererseits können wir auch von einer gelungenen Traumabewältigung sprechen. Es ist bei der Beurteilung von Lebensbiografien unerlässlich, die „Geschichte hinter der Geschichte“ zu kennen. Grassmé wurde von unvorstellbarem Leid geprägt. Es sind nur Bruchstücke seiner Kriegsjahre überliefert. 1939 wurde er von den Nazis zwangssterilisiert. 1940 befand er sich in Gestapo-Schutzhaft im KZ Fuhlsbüttel. 1942 trug er zeitweise die SA-Uniform. 1943 wurde er in Hamburg im Bombenräumkommando eingesetzt. Grassmé erlitt schwere Verwundungen und wurde mehrfach zusammengeflickt.
Wie schnell sind wir dabei, Menschen nach dem ersten Augenschein zu beurteilen und dann auch zu verurteilen: Etiketten wie „kaputt“, „irre“ oder „sonderbar“ sind schnell verteilt. Wenn wir uns aber die Zeit nehmen, die Mitmenschen einmal mit ihrer ganzen Lebensgeschichte zu verstehen, dann ändert sich so manches Urteil. „Interessant“, „mutig“ oder „stark“ heißt es dann vielleicht.

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