Andachten

Andacht

Andacht 11.12.2020

11. Dezember 2020 | Martin G. Klingbeil

Andacht 11.12.2020

Bildnachweis: ig3l / photocase.de

Und als er das Volk hatte gehen lassen, stieg er auf einen Berg, um für sich zu sein und zu beten. Und am Abend war er dort allein.

Jesus hatte das Bedürfnis, auch mal ganz allein zu sein, sich zurückzuziehen in die Stille. In Matthäus 14,13 erhält er die traurige Botschaft, dass Johannes der Täufer im Gefängnis geköpft wurde. In seiner Trauer sucht Jesus später eine „einsame Gegend“ auf, möglicherweise auf der Ostseite des Sees Genezareth, um mit seiner Trauer und seinem himmlischen Vater allein zu sein.
Das kann ich sehr gut nachvollziehen. Der Tod eines lieben Menschen reißt auch bei Jesus eine große Wunde auf. Doch nach Erhalt der Todesnachricht sieht er plötzlich die Menschenmenge, die ihm am Ufer gefolgt ist. „Und sie jammerten ihn“, das heißt, er sieht ihre körperlichen und geistlichen Bedürfnisse und stellt diese in dem Augenblick über die seinigen. Er entscheidet sich für den Dienst am Nächsten.
Ich frage mich, wo die feine Grenze zwischen Berufung und eigenen Bedürfnissen verläuft. Muss ich meine eigenen Bedürfnisse immer hintenanstellen und sogar Schmerz und Trauer runterschlucken? Es stimmt, dass, wenn wir von uns wegblicken und anderen helfen, oft auch vieles in unserem eigenen Leben wieder ins Lot kommt; aber besteht hier nicht auch die Gefahr des geistlichen Supermann-Syndroms?
Deswegen tut es richtig gut, den heutigen Bibeltext zu lesen. Die Menge war schließlich gesättigt – 5.000 waren gespeist worden –, Heilungen haben stattgefunden und Gottes Wort hat Menschen verändert. Letztendlich schickt Jesus sie alle nach Hause; selbst seine Jünger schickt er per Boot zurück. Nun findet Jesus den Augenblick der Ruhe und des Alleinseins, nach dem er sich seit der Todesnachricht gesehnt hat. Er steigt langsam auf den Berg, um zu beten. Vielleicht fließen auch Tränen, die so lange zurückgehalten wurden.
Zu wissen, dass selbst Jesus seiner Trauer Ausdruck gab und sich Zeit für sich selbst nahm, macht mir Mut, auch meine eigenen seelischen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Herr, ich bitte dich heute um die Weisheit, meine eigenen Wünsche und Nöte in das richtige Verhältnis zu denen meiner Mitmenschen zu bringen.

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