Andachten

Andacht

Andacht 17.12.2020

17. Dezember 2020 | Gerhard Wagner

Andacht 17.12.2020

Bildnachweis: AllzweckJack / photocase.de

Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern.

„Vergeben kann ich wohl, aber vergessen nicht.“ Das sagte der Leiter einer jüdischen Delegation von Jugendlichen, die als eine der Ersten Deutschland nach dem Holocaust besuchte, zu dem deutschen Gastgeber. Dieser musste erst mal schlucken, dann dachte er darüber nach und schließlich erkannte er die Wahrheit in diesem Satz. Vergeben ja – doch um zu vergessen, müsste das Gedächtnis gelöscht und damit die Persönlichkeit beschädigt werden.
Was meinte Jesus, als er uns im Vaterunser diese Bitte um Vergebung in den Mund und ans Herz legte und unser Verhalten in Bezug zu Gottes Vergebung setzte?
Viele Menschen kennen belastende oder auch aufbauende Erlebnisse, die sie so stark prägten, dass sie nicht mehr aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Mit schönen Erinnerungen können wir leicht leben. Wir freuen uns über sie und sie helfen uns sogar über schwierige Zeiten hinweg. Traumatische Erfahrungen aber belasten und verfolgen uns. Sie können bis zur Arbeitsunfähigkeit krank machen. Nicht jeder braucht fachliche Hilfe zur Bewältigung erlittenen Unrechts, aber wir alle müssen lernen, wie wir damit leben können. Den Menschen, der an uns schuldig geworden ist, können wir nicht ändern; vielleicht sieht er das Unrecht gar nicht ein oder hat die Situation ganz anders in Erinnerung.
Wie können wir Belastungen überwinden und Schuld aus der Welt schaffen? Zwei Erkenntnisse sind mir wichtig geworden: Erstens will ich mir nicht länger mein Wohlbefinden von negativen Erinnerungen trüben lassen. Ich will mich von der Verletzung loslösen. Zweitens will ich die Zeit und die Umstände von heute annehmen und das Beste für die Zukunft daraus machen. Mit der Bitte um Vergebung fasst Jesus diese Gedanken genial zusammen. Vergeben bedeutet Loslassen, von Schuld befreien. Es bedeutet nicht, das geschehene Unrecht zu verleugnen oder gar als richtig anzuerkennen. Vergebung heißt neu zu beginnen. Vergebung heißt, die Geschichte ruhen zu lassen und die eigene Zukunft mit Gottes Hilfe neu zu gestalten. Vergebung heißt auch, dem Schuldigen einen Neuanfang zuzugestehen. Wer so seinem Mitmenschen vergibt, kann ihm wieder in die Augen sehen und einen Neuanfang ermöglichen. Wer das erfahren hat, kann das Vaterunser von Herzen dankbar und demütig beten.

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