Andachten

Andacht

Andacht 19.03.2021

19. März 2021 | Klaus Kästner

Andacht 19.03.2021

Bildnachweis: claudiarndt / photocase.de

Er sagte aber von Sara, seiner Frau: Sie ist meine Schwester. Da sandte Abimelech, der
König von Gerar, hin und ließ Sara holen.

Abraham als Angsthase und Lügner! Dieses Stück der biblischen Erzählung ist kein Ruhmesblatt in seiner Biografie. Ist ein solches Verhalten für einen Glaubenshelden nicht unwürdig? Und kommt uns das Berichtete nicht bekannt vor? Ja, eine ganz ähnliche Geschichte wird schon in 1. Mose 12 erzählt. Sollte nicht wenigstens ein Mann wie Abraham aus seinen Fehlern lernen? Doch leider steht Abraham in Kapitel 20 als Wiederholungstäter vor uns. Wir hätten gewiss Verständnis, wenn das Bild eines so bedeutenden Mannes an einigen Stellen etwas retuschiert worden wäre, oder? Doch von diskreter Zurückhaltung kann in dieser Schilderung gar keine Rede sein. Bei genauerem Hinsehen stellt sich sogar heraus, dass diese schonungslose Offenheit Absicht ist. Die ganze Darstellung will mehr sein als nur ehrliche Berichterstattung. Es soll geradezu radikal verhindert werden, dass Abraham zur Ikone wird. Die Erzählung hat eine bestimmte Struktur. Wir merken das, wenn wir auf das Alter Saras achten. In 1. Mose 17,17 ist sie bereits 90! Sollte Abimelech eine so alte Frau in seinen Harem geholt haben? Die Darstellung greift also chronologisch zurück. Die Abrahamsgeschichte besteht aus vier Teilen, die jeweils drei Kapitel umfassen und Abraham in einer bestimmten Perspektive malen. Sein Lebensweg ist ein Auf und Ab. Jeder Höhepunkt wird von einem Tiefpunkt abgelöst. Diese merkwürdige Anordnung der Begebenheiten ist gewollt. Es soll eben kein Heldenepos sein. Auch Glaubenshelden stellt man sich anders vor. Immer, wenn wir geneigt sind, ihn als Helden zu bewundern, zeigt uns die bewusst gegliederte Darstellung den schwachen Abraham. Dafür gibt es nur eine Erklärung: Es geht um die Verherrlichung Gottes an einem unzulänglichen Menschen; um das Leben eines begnadigten Sünders. Wir sollen erkennen, was Heilsgeschichte heißt: Dass Gott in seiner Gnade mit, durch und sogar trotz gläubiger Sünder Segen stiftet. Aber auch nur der leiseste Anflug eines „Heiligenscheins“ (selbst bei diesem Gottesmann) wäre Irrtum und Illusion. Ich bin froh über den herben, aber zugleich erlösenden Realismus, der uns in der Bibel begegnet!

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