Andachten

Andacht

Andacht 17.06.2021

17. Juni 2021 | Dennis Meier

Andacht 17.06.2021

Bildnachweis: luh / photocase.de

Doch auch die Frau wird gerettet werden, wenn sie Kinder zur Welt bringt und vor
allem, wenn sie beständig im Glauben und in der Liebe lebt, anständig und verlässlich vor
Gott.

Das Männer-Frauen-Ding beschäftigt nicht nur Comedians, sondern auch Fromme. Wenn man die Beiträge, die Argumente und die hitzigen Debatten verfolgt, ist es manchmal nicht leicht, zwischen beiden zu unterscheiden. Als Comedian würde ich zu dem Text oben sagen, dass meine Frau durch die Geburt unserer Kinder ihre Schäfchen ins Trockene gebracht hat, erlösungsmäßig gesprochen. Als Theologe hatte ich Paulus aber im Hinblick auf das Gerettetwerden anders verstanden. Da machte er in der Methode keinen Unterschied zwischen Männern und Frauen oder überhaupt zwischen Menschen. Dieser Text wird heute in erster Linie gemieden, weil er nicht nur theologisch, sondern auch gesellschaftlich problematisch klingt. Zeit also für eine Perspektive aus der Welt, aus der dieser Text stammt. In diesem Abschnitt geht es an keiner Stelle um Erlösung. Vielmehr ist unmittelbar vorher von Adam, Eva und der Schöpfung die Rede und da erinnern wir uns, dass das schmerzhafte Gebären eine der negativen Folgen für Eva war. Eine Geburt stellte noch bis vor wenigen Jahren nicht nur Schmerzen, sondern auch eine Lebensbedrohung für eine Frau dar und in weiten Teilen der Welt ist das immer noch so. Zweite Information: Das Wort „retten“, das hier benutzt wird, bedeutete schon damals auch genau das, was es heute noch bedeutet, wenn wir vom Rettungsdienst reden. Wenn nun die Folge der Sünde (V. 14) die Todesangst vor der Geburt ist, dann ist die seelsorgerliche Zusage des Apostels an die damaligen Frauen die Zusicherung, dass Gott sie vor dem Tod im Kindbett bewahren will. Kann man denn eine so pauschale Zusage machen? Das Neue Testament kennt davon etliche Beispiele und sie wurden von den Menschen damals eben als Segen und Zuspruch verstanden, nicht als Garantie. So gesehen geht es Paulus hier nicht um das Mann-Frau-Ding, sondern um Seelsorge für die Gruppe in der Gemeinde, die mit jeder Geburt dem Tod ins Auge blickte. So werden aus einem vermeintlichen Problemtext eine Zuwendung und die Verheißung der Bewahrung in den Nöten und Gefahren des Alltags. Das tut sicherlich nicht nur den Frauen gut.

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