Andachten

Andacht

Andacht 09.07.2021

09. Juli 2021 | Gerald A. Klingbeil

Andacht 09.07.2021

Bildnachweis: Katarzyna Wendt

Aber der HERR sprach zu Samuel: Schaue nicht auf sein Aussehen, noch auf seinen
hohen Wuchs, denn ich habe ihn verworfen! Denn [der HERR] sieht nicht auf das, worauf
der Mensch sieht; denn der Mensch sieht auf das, was vor Augen ist, der HERR aber sieht
das Herz an!

Wann immer wir Zeit haben, laufen meine Frau und ich eine Acht-Kilometer-Runde in einem öffentlichen Park ein paar Kilometer von unserem Haus entfernt. Maryland kann im Sommer sehr heiß und schwül sein; da schätzt man den Schatten der Bäume, die eine Höhe von ungefähr 30 bis 40 Metern erreichen können und wunderschönen Schatten spenden. Auch im Winter gibt der Wald etwas Windschutz und die Bäume ohne Blätter lassen den Himmel durchscheinen. Nach einem heftigen Wintersturm waren wir an diesem Morgen wieder unterwegs. Doch als wir um eine Ecke bogen, ging es plötzlich nicht mehr weiter. Ein großer Baum lag quer über dem Weg. Er war mindestens 25 Meter lang und 80 Zentimeter dick. Was für eine gewaltige Windböe musste diesen Riesen umgeknickt haben! Bei näherem Hinschauen sahen wir allerdings etwas Überraschendes – und auch Erschreckendes. Der Baum, der von außen so stark und gesund aus-gesehen hatte, hatte einen total verfaulten Kern. Wie wir später erfuhren, leidet diese Baumart unter Attacken von „importierten“ Käfern; Schädlinge, gegen die der Baum keine natürlichen Verteidigungsmechanismen besitzt. Wie oft beurteilen wir die Menschen um uns herum nach dem Anschauungsprinzip – ein paar Mal hinschauen und schon weiß man, woran man ist. An dem Tag, an dem Samuel auf Gottes Befehl hin die Familie Isais besuchte, lernte dieser erfahrene Gottesmann eine wertvolle Lektion. „Schau nicht auf das, was man von außen sehen kann“, sagte ihm Gott. „Versuch, das Herz zu sehen!“ Das Herz zu sehen, ist zwar schnell gesagt, aber schwer getan. Wir alle kämpfen mit Vorurteilen, wenn wir andere von außen betrachten, und wissen oft nicht um die Nöte, die unser Gegenüber von innen zerfressen und kaputtmachen. Gott bittet uns heute Morgen nicht, andere fachgerecht abzuurteilen. Er will vielmehr, dass wir an seiner Seite ein wenig näher zu ihm hinwachsen und damit auch anderen um uns herum Windschatten geben. 

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