Andachten

Andacht

Andacht 22. Januar 2022

22. Januar 2022 | Claudia Mohr

Andacht 22. Januar 2022

Bildnachweis: ig3l / photocase.de

Eine linde Antwort stillt den Zorn; aber ein hartes Wort erregt Grimm.

Mein Opa Martin war der Held meiner Kindheit. Ihn im Gefängnis zu besuchen, war stets ungeheuer aufregend. Er arbeitete dort bis zu seinem Ruhestand als Justizvollzugsbeamter im offenen Vollzug. Weit entfernt davon, ein Heiliger zu sein, und trotz seines aufbrausenden Temperaments wurde er von vielen Insassen „Vater Skuplik“ genannt. Er wusste zu Hause auch immer die spannendsten Geschichten zu erzählen. Eine machte besonderen Eindruck auf mich: Eines Tages wurde Opa Martin von der Anstaltsleitung gebeten, einen besonders schwierigen Fall zu übernehmen. Ein Häftling war in einen Hungerstreik getreten, weil er sich ungerecht behandelt fühlte. Seit Tagen hatte er nichts mehr gegessen, sich nicht gewaschen und rasiert, und alle Versuche, ihn umzustimmen, waren bisher fehlgeschlagen. Nun sollte Opa Martin ihn überzeugen. Er betrat die Zelle, setzte sich auf einen Stuhl und wartete still. Man konnte die Spannung in der Luft regelrecht spüren. Nach einer Weile sagte Opa freundlich: „Wie geht es dir, mein Junge?“ Ungläubig drehte sich der Häftling ihm zu: „Was? Du fragst mich, wie es mir geht?!“ Und dann brach alles aus ihm heraus, was ihn belastete. Er tobte und zählte auf, wo er ungerecht behandelt und von den Beamten gedemütigt worden war. Er brüllte eine lange Zeit, wurde dann immer leiser und schließlich still. Opa hörte zu und sagte daraufhin: „Junge, du hast jetzt zwei Möglichkeiten. Entweder es wird alles noch schlimmer oder es wird besser. Du musst das entscheiden. Bei uns hier bekommst du eine Chance im offenen Vollzug. Wenn du die nicht nutzt, kommst du zurück hinter Gitter. Was möchtest du?“ Der Mann blieb still und Opa fuhr fort: „Ich denke, es ist gut, wenn du jetzt mal ein Brot isst und dich danach rasierst. Danach sehen wir weiter.“ Opa erhob sich und ging aus der Zelle. Die Tür ließ er bewusst offen stehen. Und tatsächlich: Der Mann beendete seinen Streik. Die Anstaltsleitung konnte es kaum glauben: „Wie haben Sie das nur gemacht? Wir haben doch alles versucht.“ Opa sagte nur: „Ich habe mit ihm geredet, einfach nur geredet und zugehört.“ Auch in der Bibel ist vom Ruhebewahren die Rede, wie hier in den Sprüchen. Aggressionen können sich schnell aufschaukeln und tiefe Wunden verursachen, doch „eine linde Antwort“ – das heißt ein sanftes, freundliches Wort – kann manchmal Wunder wirken; versuchen wir es heute doch auch einmal.

Zurück

UNSER GLAUBE

Die Glaubensüberzeugungen der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten sind dazu angelegt, das ganze Leben zu durchdringen. Die heiligen Schriften der Bibel zeichnen ein überzeugendes Porträt von Gott.
Jeder ist eingeladen, den EINEN zu entdecken, zu erleben und kennen zu lernen, der nichts anderes, als uns heilen will.

Mehr herausfinden