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Auf Wolfgang Huber folgt Margot Käßmann

29. Oktober 2009 | Ulm | APD | Kategorie: APD

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) wird erstmals in ihrer Geschichte von einer Frau als Vorsitzende des Rates der EKD geleitet. Die in Ulm tagende EKD-Synode wählte für die kommenden sechs Jahre mit 132 von 142 Stimmen die Landesbischöfin der Evangelisch-lutherischen Kirche Hannovers, Margot Käßmann (51), zur Nachfolgerin von Bischof Wolfgang Huber (67), der für das Spitzenamt nicht mehr zur Verfügung stand. Ihr Stellvertreter wurde der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Scheider (62). Damit hat die EKD mit Rat und Synode eine weibliche Doppelspitze, denn seit Mai diesen Jahres steht die Grünen-Politikerin und Bundestagsvizepräsidentin, Katrin Göring-Eckardt, der Synode als Präses vor.

Die Führungsrolle von Käßmann hatte sich bereits angedeutet, denn sie erreichte als einzige Kandidatin bereits im ersten Wahlgang die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit für den EKD-Rat. Die Wahl gestaltete sich ansonsten zu einem Abstimmungsmarathon. Auch nach zwölf Wahlgängen blieb ein Platz im 15-köpfigen Rat unbesetzt, da sich die Synodalen nicht einigen konnten. Der Sitz ist daher bis zur nächsten EKD-Synode im Jahr 2010 vakant.

Nach ihrer Wahl wies die neue Ratsvorsitzende vor den Synodalen darauf hin, dass sie die begonnenen Reformprogramme weiterführen wolle, und zwar so, dass auch “die Gemeinden vor Ort davon etwas spüren”. Die finanziellen Probleme sollten dabei nicht lähmen, sondern eine Herausforderung sein, “unsere Arbeit zu tun”. Mit dem von ihrem Vorgänger angestoßenen Reformprozess will die evangelische Kirche sich in Zeiten sinkender Mitgliederzahlen und zurückgehendem Kirchensteueraufkommen profilieren. Dazu betonte der scheidende Ratsvorsitzende, Bischof Huber, vor der Ulmer Synode: “Was jetzt inhaltlich angestoßen wurde und organisatorisch in Gang gesetzt ist, braucht nun Reifezeit und muss sich bewähren.” Die Ziele des 2006 eingeleiteten Reformprozesses seien für viele Menschen eine wichtige Orientierung. Es gehe um “geistliche Profilierung statt undeutlicher Aktivität”. Huber ermunterte dazu, sich den Menschen zuzuwenden, die den Kontakt zum christlichen Glauben schon lange verloren hätten.

Der Mitgliederverlust in den 22 Landeskirchen hat sich im vergangenen Jahr deutlich verstärkt. Sie verloren durch Austritte und Todesfälle 308.559 Mitglieder. Das waren 48 Prozent mehr als 2007. Damals schrumpften die Landeskirchen um 207.518 Personen. Damit ging die Gesamtzahl der Evangelischen in Deutschland 2008 um 1,2 Prozent auf 24,52 Millionen zurück.

Der von der Synode verabschiedete EKD-Haushalt 2010 mit einem Gesamtvolumen von rund 182 Millionen Euro wird maßgeblich durch Umlagen der Gliedkirchen finanziert. Größter Einzelposten des EKD-Etats ist dabei mit 42 Millionen Euro die entwicklungspolitische Arbeit zur Armutsbekämpfung in aller Welt. Die Ausgaben für Öffentlichkeitsarbeit und Publizistik belaufen sich auf knapp 14,6 Millionen Euro. Diese beiden Instrumente würden angesichts sinkender Kirchenmitgliederzahlen immer wichtiger, betonte der Vorsitzende des Finanzbeirates der EKD, Klaus Winterhoff. Außerdem werden Mittel zur Gestaltung des Reformprozesses bereitgestellt. Dazu gehört unter anderem die Einrichtung eines Zentrums für Predigtkultur in Wittenberg und die Unterstützung missionarischer Vorhaben.

Schwerpunktthema der diesjährigen Synode war das Ehrenamt. “Viele Menschen nehmen heute das Engagement als Chance für die eigene Persönlichkeitsentwicklung wahr”, hieß es in dem den Synodalen vorgelegten Textentwurf zum Thema “Ehrenamt evangelisch. Engagiert”. Die neuen “Engagierten” wollten ihre Interessen einbringen, sich schulen lassen und Kompetenzen entwickeln. Aufgabe der Kirche sei es, sich für diesen neuen Freiwilligentyp zu öffnen. Dabei gehe es auch um eine neue Verhältnisbestimmung zwischen Haupt- und Ehrenamt. Außerdem sollten Geringverdiener, Arbeitslose und Migranten einen besseren Zugang zum Ehrenamt erhalten. Unterschätzt werde auch das Potential der älteren Menschen.

Die neue Ratsvorsitzende leitet seit 1999 die größte deutsche Landeskirche mit rund drei Millionen Mitgliedern. Sie wurde vor zehn Jahren nach Maria Jebsen, Hamburg, als zweite Frau Bischöfin einer evangelischen Kirche in Deutschland. Margot Käßmann war zuvor Generalsekretärin des Deutschen Evangelischen Kirchentages. Die promovierte Theologin ist Mutter von vier Töchtern und seit 2007 geschieden.

Der Vorsitzende der römisch-katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, gratulierte der neuen EKD-Ratsvorsitzenden zu ihrer Wahl. Er wünschte ihr, dass sie ihren Dienst “in den kommenden sechs Jahren in glaubenstreuer, wacher, kluger und kompetenter Weise” verrichte. Das Grußwort enthielt den Vorschlag: “Lassen Sie uns gemeinsam die ökumenischen Bande weiter entwickeln. Als Christen in einer pluralen Gesellschaft stehen wir vor vielfältigen Herausforderungen. Viele davon betreffen die evangelische und katholische Kirche gemeinsam.” Es sei wichtig, sich nicht nur das noch nicht Erreichte vor Augen zu führen, sondern ganz besonders auch die schon erlangten Gemeinsamkeiten.

In der 64-jährigen Geschichte der EKD nahmen bisher zehn Männer den Ratsvorsitz wahr. Es waren Landesbischof Theophil Wurm (1945 bis 1949), Bischof Otto Dibelius (1949 bis 1961), Landesbischof Hermann Dietzfelbinger (1967 bis 1973), Landesbischof Helmut Claß (1973-1979), Landesbischof Eduard Lohse (1979 bis 1985), Bischof Martin Kruse (1985 bis 1991), Landesbischof Klaus Engelhardt (1991 bis 1997), Präses Manfred Kock (1997 bis 2003) und Bischof Wolfgang Huber (2003 bis 2009).

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