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Die Kirchengründer der Adventisten waren keineswegs unpolitisch

06. Oktober 2011 | Lüneburg | APD | Kategorie: APD

Manche Adventisten seien der Meinung, dass sich ihre Kirche und deren Mitglieder aus der Politik heraushalten und neutral bleiben sollten, so wie es ihre Gründer getan hätten, schreibt Pastor Herbert Bodenmann (Basel), Leiter der Abteilung Religionsfreiheit der Schweizer Siebenten-Tags-Adventisten, in einem Artikel der Oktoberausgabe der Gemeindezeitschrift “Adventisten heute”. Doch solch eine Auffassung gehe offensichtlich auf eine “fromme Geschichtsklitterung” zurück. Die Gründer der Freikirche seien keineswegs unpolitisch gewesen, betont der Autor.

Das gelte auch für die Mitbegründerin der Freikirche Ellen G. White (1827-1915). 1859 sei der Bürgermeister von Battle Creek (Michigan/USA), einem Ort, in dem viele Adventisten wohnten, davon ausgegangen, dass diese an ihrem biblischen Ruhetag, dem Sabbat (Samstag), nicht zur Wahl gehen würden und er durch deren Wahlabstinenz wiedergewählt werde. Doch Ellen White sei der Ansicht gewesen, dass es sich bei dem Stadtoberhaupt um einen Trinker, Spieler und Frauenheldenheld gehandelt habe. “Sie forderte die Adventisten in Battle Creek auf, Stellung zu beziehen und den amtierenden Bürgermeister abzuwählen, wenn es sein müsste, auch am Sabbat”, so Bodenmann.

Jahre später (1881) sei Ellen White während einer adventistischen Zeltversammlung in Des Moines (Iowa) gefragt worden, ob Adventisten für ein Verbot des Ausschanks alkoholhaltiger Getränke stimmen sollten. Ihre Antwort wäre kurz und bündig gewesen: “Ja – und vielleicht schockiere ich nun einige von euch, wenn ich sage: Falls nötig stimmt auch am Sabbat für das Alkoholverbot, wenn ihr es nicht an einem anderen Tag tun könnt.” Ellen White habe verschiedentlich die Verantwortung derer betont, die nicht wählen oder sich nicht mittels Sachabstimmungen für eine Verbesserung der damaligen Verhältnisse einsetzen wollten. “Sie unterstrich, dass Neutralität in gesellschaftlichen beziehungsweise politischen Fragen auch eine persönlich zu verantwortende Stellungnahme und keine Null-Position sei”, hob Bodenmann hervor.

Einige der damals führenden Adventisten seien Sozialreformer und Mitglieder von Vereinigungen zur Abschaffung der Sklaverei gewesen. Sie hätten zwar in der Naherwartung der Wiederkunft Christi gelebt, ohne dafür jedoch Daten festzulegen, “zogen sich aber nicht egoistisch von der Welt zurück, sondern engagierten sich sozial und politisch für die Sklaven”. Joseph Bates (1792-1872), ein weiterer Mitbegründer der Freikirche, habe geschrieben: “Ich konnte kein konsequenter Christ sein und gleichzeitig auf der Seite der Unterdrücker stehen, denn Gott war nicht bei ihnen. Ich konnte auch nicht Gottes Verheißungen in Anspruch nehmen, wenn ich neutral blieb. Meine einzige Alternative war, für die Sklaven einzutreten, und dazu entschloss ich mich.”

Ellen White habe die Sklaverei als “schweres Verbrechen” bezeichnet und deshalb zu zivilem Ungehorsam aufgerufen: “Dem Gesetz unseres Landes, das von uns verlangt, einen [entlaufenen] Sklaven seinem Besitzer zurückzugeben, müssen wir nicht gehorchen, und wir müssen bereit sein, die Konsequenzen des Übertretens dieses Gesetzes auf uns zu nehmen. Der Sklave ist nicht das Eigentum irgendeines Menschen. Gott ist sein einziger Herr.” Ellen White, die damals führende Frau der Freikirche, habe mit ihrem Aufruf zu zivilem Ungehorsam in der Sklavenfrage zum heißesten politischen Thema ihrer Zeit eindeutig Stellung bezogen und Verantwortung übernommen, stellt Pastor Bodenmann in seinem Artikel fest.
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