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USA: Aufgebrachte religiöse Gemeinschaften ziehen Geld bei Großbanken ab

16. Dezember 2011 | Los Angeles, Kalifornien/USA | APD | Kategorie: APD

Eine kleine, aber wachsende Zahl von religiösen Gemeinschaften in den USA ziehe ihr Geld von Wall-Street-Banken ab, um damit gegen die aus ihrer Sicht unfairen Zwangsversteigerungen von Wohnhäusern zu protestieren und gegen die Weigerung der Großbanken, kleinen Unternehmen Kredit zu geben, wie der Religious News Service (RNS) meldete. Eine Koalition von Gemeinden, Bürgerinitiativen, Gewerkschaften und Einzelpersonen habe die “Move Our Money”-Kampagne gegründet, mit der eine Milliarde US-Dollar von den Großbanken zu lokalen oder Genossenschaftsbanken transferiert werden solle, so RNS.

“In gewisser Weise haben die Banken unsere Gemeinden, vor allem Gemeinden von Farbigen, beraubt”, sagte Ryan Bell, Pastor der Freikirche der Siebenten-Tags-Ad-ventisten in Los Angeles. “Im Grunde sagen wir der Bank of America mit der Kampagne, dass sie in unsere Gemeinwesen investieren soll, und solange sie dies nicht tut, legen wir unser Geld auch nicht mehr bei ihr an”, unterstrich der Geistliche. Laut RNS sei Pastor Bells Freikirche eine von sechs christlichen Kirchen im Raum von Los Angeles, die gemeinsam zwei Millionen US-Dollar von der Bank of America und Wells Fargo im Rahmen der Kampagne von den Großbanken abzögen.

“Ich beteilige mich, weil es für mich eine der großen ethischen Fragen unserer Generation ist, wie wir unsere Gemeinwesen aufbauen”, sagte Rabbi Michael Latz, Leiter einer progressiv jüdischen Gemeinde in Minneapolis/Minnesota, der mit jüdischen Aktivisten Diskussionen über eine verantwortbare Bankenpolitik führte. “Als religiöser Leiter habe ich begriffen, dass sich unser Engagement primär immer auf die Schwächsten unter uns richten muss”, so der Rabbi.

Die Kampagne habe laut Religious News Service Startschwierigkeiten gehabt, was sich aber nach einer landesweiten Versammlung von Geistlichen in New Orleans/Louisiana umgehend geändert habe, denn Christen, Juden und Muslime hätten dort gemeinsam angekündigt, weitere einhundert Millionen US-Dollar neu anzulegen.

Laut der Website der “Move Our Money”-Kampagne seien bis zum 8. Dezember 55 Millionen US-Dollar von Groß- zu Lokalbanken transferiert worden, was angesichts der riesigen Bilanzsumme der US-Großbanken nicht wirklich viel sei.

Wie RNS mitteilte, nehme die Kampagne die Bank of America, Wells Fargo und JPMorgan Chase ins Visier, weil diese den Haus- und Wohnungsbesitzern bei Umschuldungen ihrer Hypotheken nicht helfen und damit vor Liegenschaftsverpfändungen bewahren würden und kleinen Unternehmen nur äußerst restriktiv Kredite gewährten. Zudem würden diese Großbanken die Entrichtung der Bundessteuer vermeiden, indem sie ihre Vermögenswerte im Ausland parkten, obwohl jede dieser Banken bei den Rettungsaktionen der US-Bundesregierung Milliarden von den Steuerzahlern erhalten habe.
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