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Kein SED-Mitglied in Gemeindevertretung Friedensau zur DDR-Zeit

21. September 2014 | Friedensau bei Magdeburg | APD | Kategorie: APD

“Im Juni 1945 erlaubte die Sowjetische Militäradministration (SMAD) die Gründung von politischen Parteien”, schreibt der frühere Direktor des adventistischen Theologischen Seminars Friedensau bei Magdeburg, Dr. Manfred Böttcher, in der Ausgabe 3/2014 der Hochschulzeitschrift “Dialog”. So wären neben der KPD auch die CDU, SPD und LDPD zugelassen worden. Unter einem gewissen Druck der Besatzungsmacht hätten sie sich jedoch zur Gründung eines gemeinsamen “Blocks der antifaschistisch-demokratischen Parteien” (Antifa-Block) entschlossen. Die Parteien sollten gemeinsam regieren, unterschiedliche Auffassungen jedoch in internen Aussprachen klären. Angesichts der überall herrschenden Not, die der Hitlerkrieg hinterlassen hatte, und der Millionen Flüchtlinge, die aus den ehemaligen Ostgebieten aufzunehmen waren, mochte das auch eine gewisse Berechtigung haben, so Böttcher. Formal habe sich auch die sowjetische Besatzungsmacht zu einer demokratischen Gestaltung der Gesellschaft bekannt.

Friedensau, seit 1921 eine eigenständige kommunale Gemeinde, gehörte zum Bereich der sowjetischen Besatzungszone. Nach Kriegsende habe die Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten den parteilosen Otto Vogel, seit 1941 Geschäftsführer der adventistischen Institutionen in Friedensau, als Gemeindevorsteher eingesetzt. Wilhelm Kirchberg, der das Bürgermeisteramt seit 1942 innehatte, hätte 1945 wegen Mitgliedschaft in der NSDAP ausscheiden müssen, berichtet Böttcher.

Die neue politische Situation habe für den Ort Friedensau einige Probleme mit sich gebracht. Noch vor der ersten Kommunalwahl in Sachsen-Anhalt wurden im Januar 1946 alle Kommunalgemeinden angewiesen, eine “vorläufige Gemeindevertretung” zu bilden, einen Antifa-Ausschuss. Dieser sollte aus Mitgliedern der sogenannten antifaschistischen Parteien gebildet werden. Doch wo konnte man in Friedensau, das fast ausschließlich von Adventisten bewohnt war, Mitglieder dieser Parteien finden, damit die Eigenständigkeit der kommunalen Gemeinde erhalten blieb?

Der Leiter des adventistischen Altersheimes Friedensau, Walter Schmidt, trat in die SPD ein. Unter den Personen, die während des Krieges in dem Ort Aufnahme gefunden hatten, fand sich einer, der inzwischen KPD-Mitglied geworden war, und ein anderer, welcher der SPD beitrat. Einer war als Forstarbeiter, der andere als Heizer in Friedensau tätig – den Adventisten gehörten sie nicht an. Weiterhin erklärten sich noch zwei parteilose Friedensauer zur Mitarbeit bereit. Das habe ausgereicht, um die vorläufige Gemeindevertretung zu bilden. Sie hätte gleichzeitig die Aufgaben des Antifa-Ausschusses wahrgenommen. “Damit war die erste Hürde genommen, dass Friedensau eigenständige Kommune bleiben konnte”, stellt Böttcher fest.

Im April 1946 kam es zum Zusammenschluss von KPD und SPD und damit zur Bildung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Im Herbst fand die erste Kommunalwahl in Sachsen-Anhalt statt – zugleich die erste in der gesamten sowjetischen Besatzungszone. Drei Friedensauer Bürger gehörten nun “einverleibt” zur SED. Ergänzt durch zwei Parteilose, ließen sie sich als Kandidaten aufstellen und wurden von den wahlberechtigten Friedensauern in die Gemeindevertretung gewählt, der Otto Vogel nun als offiziell gewählter Bürgermeister vorstand. Die Leitung der Siebenten-Tags-Adventisten sei froh gewesen, damit auch die zweite Hürde für den Fortbestand der Eigenständigkeit Friedensaus überwunden zu haben.

Mit Beginn der neuen Kommunalperiode, die sich am 23. Februar 1949 konstituierte, habe jedoch kein Mitglied der SED mehr der Friedensauer Gemeindevertretung angehört. Aus den Unterlagen der Gemeindeverwaltung, die im Friedensauer “Historischen Archiv der Siebenten-Tags-Adventisten in Europa” vorlägen, sei weiterhin nachweisbar, dass seit Gründung der DDR niemals ein SED-Mitglied der Friedensauer Gemeindevertretung angehörte. “Das blieb so bis zum Ende der DDR”, betont Böttcher.
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