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Russischer Baptistenpräsident: „Die Ukraine ist nicht unser Krieg“

03. Juni 2015 | Moskau/Russland | APD | Kategorie: APD

Der russisch-ukrainische Konflikt habe in baptistischen Kreisen „unerträglichen Schmerz ausgelöst“, betonte Aleksei Vassilevich Smirnow, Präsident der „Russischen Union der Evangeliumschristen-Baptisten“ (RUECB), kürzlich in einem Interview mit dem Moskauer Nachrichtendienst „Protestant“. Wie ein Messer, hätte er „familiäre und zivile Verbindungen zerschnitten und den Menschen äußerst schwierige Entscheidungen aufgenötigt“. Das berichtete Christian B. Schäffler in „CBS KULTUR INFO“.

Der Konflikt habe „Ehepaare, Gemeinden und die Bruderschaft überhaupt gespalten“. Plötzlich hätten sich Menschen „in hitzige politische Debatten“ hineinziehen lassen „und zeigten sich bereit, einen heiligen Krieg gegen Andersdenkende zu führen“. Über derartige Erscheinungen „dürfen wir nicht hinwegsehen“, so der Präsident der russischen Baptisten.

Der baptistische Pastor Smirnow beschrieb den gegenwärtigen Krieg in der Ukraine als „nicht unser Krieg“. Zwischen den christlichen Gemeinschaften in Russland und der Ukraine gebe es keinen Krieg. „Wir mögen Fragen unterschiedlich werten, aber sie halten uns nicht davon ab, Brüder in Christo zu sein“. Er verwies mehrmals auf die Subjektivität des politischen Diskurs und zitierte ein altes, russisches Sprichwort: „Jeder Mensch besitzt seine eigenen Wahrheiten (prawda), doch nur Gott besitzt die letzte Wahrheit (istina).“

Ohne den Maidan namentlich zu erwähnen, verteidigte der Baptistenpräsident im Interview die Stellungnahme seiner Union vom 30. Mai 2014, die Straßenaufständen und Palastrevolten jegliche theologische Rechtfertigung absprach. Smirnow wörtlich: „Der Teufel stiftet zu Kampf, Krieg und zur Revolution an. Die sündhafte Natur des Menschen rebelliert. Sie verlangt stets etwas; sie gibt sich nie zufrieden.“ Eben deshalb „sind wir gegen Gewalt, Revolutionen und Putsch“. In keinem Falle sollten die Gläubigen zur Gewaltanwendung gegen irgendeine Partei in einer Auseinandersetzung anstiften. Christus habe nie „zum Krieg gegen irgendjemanden aufgerufen“. Nie forderte er Gewaltanwendung gegen den korrupten, römischen Besatzerstaat.

Die Demokratie gibt es nicht in reinster Form, versicherte Smirnow. „Das wäre eine Utopie, nichts weiter als eine leere Behauptung“. Die Demokratie sei stets nur graduell vorhanden. Die Auseinandersetzung in der Ukraine sei eine äußerst komplizierte Angelegenheit. Der Kirchenpräsident versicherte: „Es ist besser, 15 Minuten lang zu beten, als eine Stunde lang darüber zu diskutieren.“

Reaktion eines Freikirchen-Experten in Russland
Der aus einer mennonitischen Familie in den USA stammende Pastor und Publizist William Yoder, Medienreferent der Russischen Evangelischen Allianz (REA) in Moskau, äußerte sich in einem Kommentar zum Interview mit Smirnow. Die politisch aktiven Protestanten in der Kiewer Ukraine würden dazu neigen, Smirnows Aussagen als eine Stimme mehr aus einer pazifistischen und sektiererischen Vergangenheit abzuweisen. Diese Ukrainer träten dafür ein, dass sich Christen am öffentlichen Leben beteiligen – einschließlich des militärischen Sektors. Das sei ein neuer Weg unter den Protestanten Osteuropas – doch ein sehr altes Modell im protestantischen Mainstream Nordamerikas.

Noch vor Ende der Konfrontation auf dem Maidan im Februar 2014 habe Wjatscheslaw Nesteruk, der damalige Präsident der Baptistenunion der Ukraine, zu Protokoll gegeben, dass dies nicht „unser Krieg“ sei. Seitdem habe Yoder die baptistische Führung in Kiew mehrmals gefragt, ob der gegenwärtige Konflikt weiterhin nicht „ihr Krieg“ sei, jedoch ohne dafür eine Bestätigung zu erhalten. Yoder begrüßte den Hinweis von Pastor Smirnow auf die Subjektivität der menschlichen Wahrnehmung im politischen Bereich. Er verwerfe ebenfalls die Aufteilung des Globus in „demokratische“ und „nicht-demokratische“ Gesellschaften. Das bedeute letztlich, dass die Demokratie Ziel und Absicht sei, jedoch kein absoluter Zustand.

Die Absage Smirnows an gewaltsame politische Veränderungen lasse sich als ein sehr immobiles oder passives Verständnis vom politischen Prozess abtun. Man könne in diesem Zusammenhang die Frage Dietrich Bonhoeffers wiederholen: Sind wir Christen nur bereit, die Scherben nach dem Zusammenprall aufzusammeln? Pietisten würden darauf erwidern, dass das inbrünstige Gebet eine aktive, prophylaktische Maßnahme sei, die Katastrophen rechtzeitig verhindern könne.

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