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Flüchtlinge und die Festung Europa

21. Januar 2016 | Friedensau bei Magdeburg | APD | Kategorie: APD

Um Flüchtlinge und ein immer mehr sich abschottendes Europa geht es in der Ausgabe Januar bis März 2016 der Zeitschrift „Dialog“ der Theologischen Hochschule der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg.

Fluchtursachen bekämpfen
Dr. Ulrike Schulz, Professorin für Entwicklungssoziologie und Entwicklungsökonomie in Friedensau, informiert in ihrem Artikel „Festung Europa: Schutz vor Flüchtlingen oder Flüchtlingsschutz?“ über das Dublin-Verfahren. Danach muss jeder Asylsuchende in dem Land das Asylverfahren durchlaufen, in dem er oder sie die EU betreten hat. Doch die ungleiche Verteilung der Flüchtlinge in den Mittelmeeranrainerstaaten wie Italien, Spanien und Griechenland habe dazu geführt, dass das Dublin-Verfahren nicht mehr zur Anwendung kam. Mehr und mehr Flüchtlinge konnten nun auch einen Asylantrag in Deutschland stellen. Doch selbst wenn das seit 1997 gültige Dublin-Abkommen funktionieren würde, bleibe die europäische Regelung noch hinter der Genfer Flüchtlingskonvention zurück, denn es gebe für Flüchtlinge keine legale Einreisemöglichkeit in ein bestimmtes Land, so die Professorin. Sie beleuchtet die Folgen europäischer Abschottung sowie das Auftreten einer aktiven europäischen Zivilgesellschaft und einer Gegenöffentlichkeit zur Politik, die das Schicksal der Flüchtlinge in den Mittelpunkt stellt. Ulrike Schultz kommt zu dem Schluss, dass zur Lösung langwieriger Flüchtlingssituationen ebenfalls die Fluchtursachen zu bekämpfen seien. „Dabei müssen auch die eigene Verstrickung in die Konflikte und die ökonomischen Interessen, die zur Landnahme und Zerstörung der Lebensgrundlagen vieler Menschen führen, thematisiert werden.“

Gott als Freund und Anwalt der Fremden
Professor Rolf Pöhler, der Systematische Theologie an der Hochschule lehrt, befasst sich mit Aussagen der Bibel zum Thema „Ich bin ein Fremder gewesen …“ Fast überall auf der Welt sei jeder Mensch ein Ausländer und Fremder. Er brauche dabei nicht unbedingt das eigene Land zu verlassen. Das Alte Testament lege großen Wert auf die Gastfreundschaft und Fürsorgepflicht gegenüber Mitbürgern anderer Völker. Um diese Gleichbehandlung sicherzustellen, hätten die Fremden einen umfassenden Rechtsschutz genossen, der sie vor Ausbeutung und Unterdrückung bewahren sollte. Im Neuen Testament werde betont, dass Gott der Freund und Anwalt der Fremden ist. Vor Gott seien alle Menschen gleichwertig, unabhängig von ihrer ethnischen, nationalen, kulturellen oder sozialen Herkunft und Zugehörigkeit. „In Jesus hat Gott selbst das Schicksal der Fremden geteilt, Fremdsein und Entfremdung, Flucht und Vertreibung am eigenen Leib erlebt und sich mit den Fremden als seinen Brüdern solidarisiert und identifiziert.“ Auf einen kurzen Nenner gebracht laute die biblische Weisung: „Mach’s wie Gott – werde Mensch, und dem Fremden zum Bruder!“

Kirchenasyl als Akt des zivilen Ungehorsams
Der Jurist und Kanzler der Theologischen Hochschule Friedensau, Tobias H. Koch, beleuchtet den aufenthaltsrechtlichen Rahmen von Flüchtlingen und das Kirchenasyl. Man könne das Kirchenasyl mit den Zufluchtsstätten des Volkes Israel im Alten Testament vergleichen, so Koch. Allerdings bestehe beim Kirchenasyl kein gesetzlicher Schutz vor staatlichem Zugriff. Dennoch respektiere der Staat grundsätzlich die Widmung eines Ortes für gottesdienstliche Zwecke und verschaffe sich beim Kirchenasyl keinen Zutritt gegen den Willen der Kirchengemeinde. Deren Glaube gebiete ihnen, Menschen vor Gefahr für Leib und Leben oder der Beraubung ihrer Freiheit, die durch Abschiebung droht, in Obhut zu nehmen. Dadurch wollen sie dem Staat eine erneute, sorgfältige Überprüfung ihres staatlich garantierten Schutzanspruches ermöglichen. Deshalb werde ein Kirchenasyl auch den Behörden bekannt gegeben. „Die Kirchengemeinde übt damit einen Akt des zivilen Ungehorsams aus, nicht um politisch zu sein, sondern um im Einzelfall zu helfen“, betont Tobias Koch.

Christentum in Mesopotamien vor totaler Auslöschung
Professor Dr. Horst Friedrich Rolly, Dekan des Fachbereichs Christliches Sozialwesen, stellt fest: „Noch nie in der zweitausendjährigen Geschichte der christlichen Kirchen in Mesopotamien gab es die Wahrscheinlichkeit und Wirklichkeit einer totalen Auslöschung der christlichen Kultur und Tradition in der Region wie heute.“ Eine harmonische Koexistenz von Minderheiten und der Mehrheit unter rechtsstaatlichen Prinzipien scheint im Nahen und Mittleren Osten unter den gegenwärtigen Bedingungen nicht mehr möglich.

In der Hochschulzeitschrift „Dialog“ kommen drei Friedensauer Absolventen zu Wort und berichten über ihre soziale Arbeit mit Kriegsflüchtlingen. Auch wurden drei syrische Flüchtlinge interviewt, die in Friedensau an einem intensiven Deutschkurs teilnehmen, um sich auf das Studium an einer Universität vorzubereiten.

Es lohne sich, Zuwanderung zu fördern
In einer Gastkolumne widmet sich Roland Nickel, Leiter Controlling bei der Adventistischen Entwicklungs- und Katastrophenhilfe ADRA Deutschland, dem Thema „Wirtschaftsfaktor Migration“. Er weist darauf hin, dass Studien belegten, dass die negativen Folgen von Migration häufig überschätzt würden und Einwanderungsländer von Migration wirtschaftlich profitieren könnten; vor allem, wenn die Zuwanderer gut ausgebildet wären. Deshalb lohne es sich, Zuwanderung zu fördern.

Vorgestellt werden zudem zwei Masterthesen im Studiengang International Social Sciences (Internationale Sozialwissenschaften) der Hochschule. René Fechner schrieb über „Wohin soll ich gehen? Die Wahrnehmung junger Flüchtlinge von Zugehörigkeit und Integration. Eine Fallstudie aus dem Flüchtlingscamp Nakivale, Uganda. Siara Costa, die aus Brasilien stammt, befasste sich mit „Deutsche Flüchtlingspolitik und ihre Wirkung: aus der Perspektive bosnischer Flüchtlinge“.

Die 1990 staatlich anerkannte Theologische Hochschule Friedensau mit ihren zwölf wissenschaftlichen Instituten bietet in den Fachbereichen Christliches Sozialwesen und Theologie insgesamt neun Bachelor- und Master-Studiengänge, davon zwei in englischer Sprache, sowie einen Kurs „Deutsch als Fremdsprache“ an. Derzeit sind dort 190 Studierende aus 35 Ländern eingeschrieben.

Die Ausgabe Januar bis März 2016 der Hochschulzeitschrift „Dialog“ kann als PDF-Datei im Internet heruntergeladen werden unter www.thh-friedensau.de/downloads/18275/

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