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Theologische Hochschule Friedensau befürwortet Ordination von Frauen

21. März 2016 | Friedensau bei Magdeburg | APD | Kategorie: APD

Die Theologen der Hochschule der Siebenten-Tags-Adventisten in Friedensau bei Magdeburg sind davon überzeugt, dass die geltende Ordinationspraxis der Freikirche aufgrund der Heiligen Schrift einer Korrektur bedarf. Der Fachbereichsrat Theologie der Theologischen Hochschule sprach sich in einer Stellungnahme am 16. März einstimmig dafür aus, die volle Gleichstellung von Männern und Frauen im pastoralen Dienst herzustellen.

Das Neue Testament bezeuge eine vom Geschlecht unabhängige Beauftragung zu leitenden Diensten in der Kirche. Allerdings gelte es auf die jeweilige kulturelle Situation in einem Land Rücksicht zu nehmen, um die Verkündigung des Evangeliums nicht einzuschränken. Da Frauen in der adventistischen Kirche nicht als Pastorinnen ordiniert werden können, werde hierzulande die Ausbreitung des Evangeliums in zweifacher Weise behindert: „Einerseits, weil ihre Geistesgaben und Führungsfähigkeiten zum Teil ungenutzt bleiben, andererseits, weil eine Kirche in der modernen Gesellschaft unglaubwürdig wird, wenn sie Menschenrechte missachtet, die auf der biblisch-christlichen Tradition beruhen“, so die Friedensauer Theologen.

Ordination als Einführung in einen Dienst
Zudem werde in der adventistischen Kirche, abweichend vom urchristlichen Verständnis, Ordination häufig weniger als Einführung in einen Dienst verstanden, sondern mehr als Übergang in einen neuen Status. Das zeige sich unter anderem daran, dass Frauen zwar praktisch alle Tätigkeiten eines Pastors ausüben dürften, aber für ihre Aufgaben nicht ordiniert würden, und dass nur ordinierte Amtsträger andere ordinierten. In neutestamentlicher Zeit sei die Ordination eine öffentliche Übertragung eines Dienstes gewesen, um durch Handauflegung auf die gewählte Person um den Segen Gottes für die Amtsführung zu bitten. Diese Handlung sei von jenen vorgenommen worden, welche über die Berufung entschieden hätten. Dabei wäre es nicht entscheidend gewesen, ob jene selbst ordiniert waren oder nicht. Das Geschlecht habe dabei keine Rolle gespielt, außer die Ordination hätte die Verkündigung des Evangeliums behindert.

Da die Ordination an einen Dienstauftrag gebunden sei, hinter dem beauftragte Gremien stünden, gelte sie nur für den von diesen Gremien verantworteten Bereich. Eine Ordination als Pastor oder Pastorin in einem Gebiet schließe nicht automatisch das Recht auf eine über dieses Gebiet hinausreichende Tätigkeit ein. Werde jemand zum Dienst in einem ausgedehnteren Verantwortungsbereich gerufen, etwa vom Pastor zum Vorsteher, müsse eine erneute Wahl und Ordination durchgeführt werden.

Ordination von Frauen fördert Mission und Dienst der Freikirche
Der Fachbereich Theologie der Friedensauer Hochschule äußerte die Überzeugung, dass die Mission und der Dienst der Freikirche durch die Ordination von Pastorinnen gefördert würden. Er appellierte an den Nord- und Süddeutschen Verband sowie an die Intereuropäische Division als teilkontinentale Kirchenleitung, dafür Sorge zu tragen, dass die Ordination nach biblischen Prinzipien gehandhabt werde. Die Theologen seien bereit, sich aktiv in „die Suche nach Lösungsmöglichkeiten weiter einzubringen und dazu beizutragen, dass unsere Freikirche ein glaubwürdiges Zeugnis in der Gesellschaft ablegen kann“.

Adventistische Weltsynode lehnt Ordination von Pastorinnen ab
Am 8. Juli 2015 hatten es die rund 2.300 Delegierten der adventistischen Weltsynode (Generalkonferenz-Vollversammlung) in San Antonio, Texas/USA, als oberstes Gremium der Freikirche mit rund 40 zu 60 Prozent abgelehnt, den weltweit dreizehn teilkontinentalen Kirchenleitungen (Divisionen) die Kompetenz zu erteilen, adventistische Pastorinnen in ihrem Verwaltungsgebiet zum Pastorendienst zu ordinieren.

Adventistische Frauen können nach dieser Entscheidung der Weltsynode zwar weiterhin nach ihrem mehrjährigen Theologiestudium in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten als Pastorinnen „gesegnet“ und damit beauftragt werden, Amtshandlungen, wie Taufe, Abendmahl, Trauung und Beerdigung, vorzunehmen; doch ist diese Vollmacht örtlich begrenzt. Während die Ordination von Pastoren innerhalb der Freikirche weltweit Gültigkeit hat, dürfen gesegnete Pastorinnen nur in den Gebieten wirken, die zu einer Kirchenleitung gehören, welche die Segnung auch praktiziert. Ordiniert zum weltweiten Dienst werden lediglich männliche Geistliche. Nur sie dürfen in kirchenleitende Ämter, etwa als Präsident einer „Vereinigung“ oder eines „Verbandes“ beziehungsweise einer „Union“ (regionale beziehungsweise überregionale Kirchenleitung), berufen werden, da hierfür die Ordination notwendig ist.

Diskussion über Frauenordination seit über 130 Jahren
Die Diskussion über die Frauenordination begann in der Kirche der Siebenten-Tags-Adventisten vor mehr als 130 Jahren und hat sich seit den 1970er Jahren intensiviert. Das besonders in jenen Ländern, in denen sich Kirchenmitglieder für Veränderungen einsetzten, so in den USA, Europa, Neuseeland und Australien. So beschloss 1974 der Exekutivausschuss der Generalkonferenz (Weltkirchenleitung), dass Frauen als örtliche, ehrenamtliche Gemeindeälteste ordiniert werden dürfen. 1977 beschloss der Exekutivausschuss, dass „beauftragte“, aber noch nicht ordinierte hauptamtliche Pastoren auch Funktionen eines ordinierten Pastors, wie Taufe und Abendmahl, in einer Ortsgemeinde ausüben können, wenn sie als Gemeindeälteste ordiniert wurden. Dadurch erhielten auch als Gemeindeälteste ordinierte Frauen die Möglichkeit, als hauptamtliche Pastorinnen „beauftragt“ zu werden und bestimmte Funktionen in einer Ortsgemeinde auszuüben. Voraussetzung war, dass sie wie ihre männlichen Kollegen ein Theologiestudium absolviert hatten.

Die Weltsynoden 1985 in New Orleans, Louisiana/USA, und 1995 in Utrecht/Niederlande bestätigten diese Praxis. Die Weltsynode 2010 in Atlanta, Georgia/USA, beschloss zudem die Ordination von Frauen als Diakoninnen. Männliche und weibliche Diakone sind in den Ortsgemeinden ehrenamtlich tätig. Die Zulassung von Frauen als ordinierte Pastorinnen blieb weiterhin umstritten.

Dennoch gab es bereits vor der Entscheidung vom 8. Juli 2015 in San Antonio in folgenden Ländern Beschlüsse zur Ordinationen adventistischer Pastorinnen auf regionaler Ebene: Dänemark, Deutschland (Norddeutscher Verband), Niederlande, Norwegen und USA (Pacific Union Conference und Columbia Union Conference). Auch der Exekutivausschuss der Intereuropäischen Division, die adventistische Kirchenleitung in West- und Südeuropa, sprach sich in seiner Herbstsitzung im November 2013 in Madrid einstimmig dafür aus, Frauen zum Pastorenamt „unter Berücksichtigung der Bedürfnisse der unterschiedlichen Länder/Verbände“ zu ordinieren.

Deutsche Freikirchenleitung für Frauen als vollbeauftragte Pastorinnen
Die Vorstände des Nord- und Süddeutschen Verbandes der Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten bedauerten die Entscheidung der adventistischen Delegierten der 60. Generalkonferenz-Vollversammlung in San Antonio zur Frauenordination. In ihrer Stellungnahme vom 14. Juli 2015 heißt es: „Eine positive Antwort wäre aus unserer Sicht angemessen und überfällig gewesen und hätte dem mutigen (Pionier-)Geist der Adventbewegung besser entsprochen.“ Während die Vorstände den Willen der Mehrheit der Vollversammlung respektierten, würden sie jedoch entschieden jeder Form der Diskriminierung von Frauen entgegentreten. „Wir glauben, dass Männer wie Frauen mit denselben Gaben ausgestattet werden, die für den Dienst als Pastor/Pastorin erforderlich sind. Deshalb werden wir alle Möglichkeiten ausschöpfen, um Frauen als vollbeauftragte Pastorinnen in unseren Gemeinden einzusetzen“, so die Vorstände. Die deutschen Freikirchenleiter ermutigten junge Frauen, sich an der adventistischen Theologischen Hochschule in Friedensau bei Magdeburg zum Dienst als Pastorin ausbilden zu lassen.

Unterschiedliche Reaktionen
Nach der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 zur Kompetenzregelung bezüglich der Frauenordination reagierten die überregionalen adventistischen Kirchenleitungen (Unionen) in Belgien, Dänemark, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Norwegen, Schweden, der Slowakei, Tschechien und in den USA auf unterschiedliche Weise.

Norwegen
Am 20. September 2015 beschloss der Exekutivausschuss der nationalen, adventistischen Kirchenleitung in Norwegen (NORUC), künftig keine Pastoren mehr zu ordinieren. Sowohl Pastoren als auch Pastorinnen sollen mit einem Fürbittgebet in den vollen Pastorendienst eingeführt werden.

Dänemark
Der Exekutivausschuss der Adventisten in Dänemark (DUChC) beschloss am gleichen Tag, nach Abschluss der Pastoralassistenzzeit, ausschließlich den Begriff „Pastor/Pastorin“, ohne die Bezeichnung „ordiniert“ oder „gesegnet“, gleichermaßen für Männer und Frauen zu verwenden.

Niederlande
Adventisten in den Niederlanden wollen Frauen auch in Zukunft ordinieren. In einer Erklärung nach dem Beschluss der Weltsynode hält die niederländische Kirchenleitung fest: „Die Delegierten der adventistischen Kirchgemeinden in den Niederlanden haben im Herbst 2012 beschlossen, Frauen in gleicher Weise wie ihre männlichen Kollegen zum Pastorendienst zu ordinieren. Dieser Beschluss trat im Juni 2013 in Kraft und bleibt es weiterhin. Die Entscheidung der Generalkonferenz-Vollversammlung von San Antonio ändert daran nichts.“

Italien
Die Kirchenleitung der Adventisten in Italien (UICCA) hat am 16. September 2015 „ein respektvolles, aber starkes Zeichen des Dissenses und des Protests“ gegenüber der Entscheidung der adventistischen Weltsynode 2015 (Generalkonferenz-Vollversammlung) zur Frauenordination veröffentlich und geeignete administrative Maßnahmen angekündigt.

Frankreich und Belgien
Der Exekutivausschuss der Siebenten-Tags-Adventisten in Frankreich und Belgien (Union Franco-Belge, UFB) stimmte am 11. November 2015 in Paris einer Erklärung zu, die einen allmählichen Gesinnungswandel anstoßen will, um künftig die geschlechtsunabhängige Ordination zum Pastorendienst zu ermöglichen. Die Kirchenleitung will auch die notwendigen Voraussetzungen schaffen, damit adventistische Pastorinnen dasselbe Gehalt wie ihre männlichen, ordinierten Kollegen beziehen.

Slowakei und Tschechien
Der Exekutivausschuss der adventistischen Kirchenleitung für Tschechien und die Slowakei (Církve adventistů sedmého dne Ä?esko-Slovenská unie) verabschiedete am 11. November 2015 eine Erklärung welche den Beschluss der adventistischen Weltsynode vom Juli 2015 zur Frauenordination bedauert. Der Beschluss der Generalkonferenz-Vollversammlung basiere auf kirchlicher Autorität, stehe aber nicht in Übereinstimmung mit dem biblischen Befund sowie im Widerspruch zu Artikel 14 der adventistischen Glaubensüberzeugungen, der betont, dass „Unterschiede zwischen Mann und Frau … unter uns nicht trennend wirken“ dürften. Deshalb würden Frauen ermutigt, sich auch im Pastorendienst zu engagieren.

Schweden
Am 13. März 2016 hat der Exekutivausschuss der adventistischen Kirchenleitung (Sjundedags Adventistsamfundet) in Schweden beschlossen, keine Ordinationen zum Pastorendienst mehr durchzuführen. Damit sollen Männer und Frauen im Pastorendienst gleich behandelt werden.

USA
In den USA haben im Oktober 2015 neun Theologieprofessoren der renommierten adventistischen Andrews-Universität in Berrien Springs, Michigan, die gleichzeitig ordinierte Pastoren waren, als Reaktion auf den ablehnenden Beschluss der Weltsynode ihre Ordinationsurkunden zurückgegeben. Sie baten, für sie Legitimationen als „gesegnete/beauftragte“ Pastoren, wie für adventistische Pastorinnen, auszustellen.

In den USA wurden im Gebiet der überregionalen Kirchenleitungen der Columbia Union Conference im Osten und der Pacific Union Conference im Westen der USA bereits vor der Generalkonferenz-Vollversammlung von 2015 Frauen als Pastorinnen ordiniert. Diese Ordinationen wurden bisher nicht zurückgenommen.

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