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Mehr Beratungen für Kriegsdienstverweigerer

21. April 2016 | Bonn | APD | Kategorie: APD

Im vergangenen Jahr ist die Zahl der Beratungen von Kriegsdienstverweigerern bei der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) in Bonn deutlich gestiegen. Das ergibt sich aus der Bilanz der EAK für 2015, die jetzt vorgelegt wurde.

Danach gab es im vergangenen Jahr in der EAK-Geschäftsstelle in Bonn 37 Beratungsanfragen zur Verweigerung des Kriegsdienstes (KDV); ein Zuwachs von nahezu 20 Prozent gegenüber 2014. „Das ist schon eine deutliche Steigerung“, so Jasmin Schwarz, die KDV-Referentin bei der EAK. In der Zeit vom 1. Juli 2014 bis zum 30. April 2015 hätten nach Angaben der Bundesregierung 132 Berufs- und Zeitsoldaten einen KDV-Antrag gestellt, 2013 seien 262 Anträge gezählt worden. „Das macht deutlich, dass viele der Betroffenen offenbar bei der EAK Beratung und Hilfe suchten“, sagte Jasmin Schwarz.

29 der Beratungskontakte in Bonn waren männlich, acht weiblich, wobei zwei der weiblichen Kontakte für ihren Freund vorstellig wurden. „Ein Drittel der Beratungen betraf Reservisten, zwei Drittel waren Zeitsoldaten, wobei die meisten aus dem Bereich einer 12- bis 18-jährigen Dienstzeit kamen“, erläuterte die KDV-Referentin. „Etwa die Hälfte der Anfragen waren ein einmaliger Kontakt, aber bei anderen Kontakten folgten längere Gespräche und Beratungen, die durchaus auch mehrere Wochen dauerten“, betonte Jasmin Schwarz.

Einige der Personen, die sich bei der EAK meldeten, hätten bereits einen KDV-Antrag gestellt, ein großer Anteil habe sich allerdings nur vorab informieren wollen. „Da ging es um die Frage der Konsequenzen einer Antragstellung und somit auch um finanzielle Rückforderungen der Bundeswehr. Wir hatten im vergangenen Jahr aber auch einige Fälle, wo die Betroffenen bereits krank zu Hause waren“, meinte Jasmin Schwarz.

Weniger Beratungsstellen für Kriegsdienstverweigerer
Nach Angaben der KDV-Referentin sei die Zahl der Anlaufstellen für Soldatinnen und Soldaten in Deutschland, die eine Beratung zum Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung suchten, deutlich zurückgegangen. „Nach der Aussetzung der Einberufung zur Wehrpflicht 2011 haben viele Organisationen, die früher in der KDV-Beratung tätig waren, ihre Arbeit eingestellt“, bedauerte Jasmin Schwarz. Darum habe die EAK ihre KDV-Arbeit in den vergangenen Jahren neu konzipiert und Beraterinnen und Berater qualifiziert, um selbst in der Geschäftsstelle in Bonn KDV-Beratungen durchführen zu können.

„Wir verfügen mittlerweile über ein qualifiziertes und flächendeckendes Beraternetz, das von der Geschäftsstelle koordiniert, begleitet und qualifiziert wird“, informierte Jasmin Schwarz. Daneben bestünden gute Kontakte zu Fachanwälten. In der Geschäftsstelle selbst bestehe ein Team aus vier Personen. Zudem gebe es in einigen evangelischen Landeskirchen eigene Beratungsstellen, die mit der EAK in Bonn eng zusammenarbeiteten. „Leider haben auch einige der Landeskirchen dieses Arbeitsfeld aufgegeben“, bedauerte die KDV-Referentin.

Steigender Beratungsbedarf erwartet
Für dieses Jahr rechne die EAK mit weiter steigenden Beratungsanfragen in der Bonner Geschäftsstelle. „Die Spannungen der NATO mit Russland, der Syrieneinsatz der Bundeswehr oder die Auslandseinsätze machen sich bei der Zahl der Reservistenverweigerer, aber auch bei Soldatinnen und Soldaten, die im Einsatz sind, deutlich bemerkbar“, sagte Jasmin Schwarz. Dazu käme, dass das Beratungsangebot der EAK zunehmend auch in der Öffentlichkeit bekannt werde. „Wir hatten im vergangenen Jahr zahlreiche Anfragen von Journalisten, die über unsere Arbeit berichtet haben“, teilte sie mit. „Die steigende Anzahl an Beratungen zeigt deutlich, wie wichtig es ist, dass in der evangelischen Kirche ein solches Angebot für Kriegsdienstverweigerer aufrechterhalten wird und die Kirche damit auch ihren Friedensauftrag ebenso wie ihre seelsorgerliche Verpflichtung ernst nimmt.“

EAK als Teil der Friedensarbeit der EKD
Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Kriegsdienstverweigerung und Frieden (EAK) ist innerhalb der „Konferenz für Friedensarbeit im Raum der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD)“ der Dachverband für diejenigen, die in den evangelischen Landeskirchen und Freikirchen für Fragen der Kriegsdienstverweigerung (KDV) und Friedensarbeit zuständig sind. Bundesvorsitzender der EAK ist Oberlandeskirchenrat i.R. Dr. Christoph Münchow. Die EAK ist Teil der Friedensarbeit der Evangelischen Kirche in Deutschland und beschäftigt sich mit Fragen der Friedensethik, Friedenstheologie, Friedenspolitik und Friedenspädagogik. Weiter Informationen zur EAK unter www.eak-online.de

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