Andachten

Andacht

Andacht 03.06.2019

03. Juni 2019 | Günther Hampel

Andacht 03.06.2019

Bildnachweis: Mr. Nico / photocase.de

HERR, du durchschaust mich, du kennst mich durch und durch. Ob ich sitze oder stehe – du weißt es, aus der Ferne erkennst du, was ich denke. Von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine schützende Hand über mir.

Die Botschaft dieses Psalms klingt vermutlich nicht allen wie Musik in den Ohren. Jedenfall snicht denen, die meinen, Gottes Zuwendung hinge von ihrem Wohlverhalten oder gar ihrer Heiligkeit ab. Wer ehrlich mit sich selbst ist, müsste hier eigentlich fragen: „Ist es nicht  furchtbar und entlarvend, wenn Gott mich durchschaut und selbst die finstersten Winkel meines Herzens kennt?“
König David muss das anders gedeutet haben, denn er schien es nicht als Bedrohung, sondern als Hilfe empfunden zu haben. Offenbar wusste er, dass der Herr nicht nur seine  Fehler und Schwächen kannte, sondern auch seine Liebe zu ihm. Diese Eigenschaft Gottes, einen Menschen ganz und gar und nicht nur in Teilbereichen – vor allem dort, wo er versagt hat – wahrzunehmen, ist eine froh machende Erfahrung. Gott blickt uns direkt ins Herz.
David weiß, dass man ihm nichts vormachen kann, weil Gott ohnehin alles bekannt ist.  Deshalb erlebt er die Allwissenheit Gottes nicht erschrocken, sondern lobpreisend. Er weiß, dass alles, was war, was ist und was kommt, vor Gott offenliegt. Das, was unser Leben ausmacht, beschreibt er mit lauter Verben: Ich sitze, stehe, gehe, liege, rede. „Von allen Seiten umgibst du mich“ heißt: Gott umschließt sowohl unsere schwachen als auch unsere starken Seiten. Dort, wo wir Schwächen haben, sorgt er dafür, dass wir Menschen und Verhältnissen nicht schutzlos ausgeliefert sind. Dort, wo wir uns stark fühlen, ohne es zu sein, schützt er uns vor uns selbst und unserem Unverstand oder Hochmut, damit wir nicht sehenden Auges ins Verderben rennen.
In Vers 5 heißt es eigentlich: „… und legst deine Hand auf mich.“ Das kann als Geste des Segnens und Beschützens verstanden werden, aber auch, um die Zugehörigkeit anzuzeigen.  Beides kann uns Mut machen, getrost in den Tag, der heute vor uns liegt, hineinzugehen, weil wir wissen, dass Gott es gut mit uns meint.

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