Andachten

Andacht

Andacht 19.04.2020

19. April 2020 | Gerhard Mellert

Andacht 19.04.2020

Bildnachweis: cdk / photocase.de

Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.

„Das ist doch kein Leben mehr!“ Auch wenn es sich niemand wünscht, geschieht es immer wieder, dass Menschen sagen: „Ich kann nicht mehr – das übersteigt meine Kräfte – ich kann das nicht ertragen – ich weiß nicht mehr weiter – ich bin am Ende – so habe ich mir mein Leben nicht vorgestellt.“
Welche Rolle spielt in solchen Situationen der christliche Glaube? Auch Hiob war an einem Punkt, an dem er – sinngemäß – solche Gedanken formulierte. Selbst seine Frau empfahl ihm: „Sage Gott ab und stirb. Das ist doch kein Leben mehr.“
Ich habe bisher 25 OPs im Rahmen von Klinikaufenthalten gehabt. Auch lebensbedrohliche. Ich betete: „Herr, lass deinen Diener in Frieden fahren. Wann ist das Leben endlich vorbei? Das ist doch kein Leben mehr!“
Das Alte Testament erzählt beispielsweise in den Mose-Büchern davon, wie Gott gerade für die leidenden Menschen da ist: Er kommt seinen Leuten in Ägypten zu Hilfe. „Ich werde da sein“ (vgl. 2 Mo 3,14) ist sein Name – für euch da sein. Und im Neuen Testament lesen wir den tröstlichen Satz von Jesus: „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Das manchmal von uns gering geschätzte, gerade noch übrig gebliebene bisschen Leben wird von Jesus hoch geschätzt: Er geht dem verlorenen Schaf aus dem Gleichnis nach, bis er es wiedergefunden hat. Jesus lädt sich ein bei dem kleinen, gleichsam „zu kurz gekommenen“ Zöllner Zachäus, den alle verachten, und sagt ihm ein neues Leben zu: „Heute ist diesem Hause Heil widerfahren.“ (Lk 19,9)
Alle diese biblischen Ermutigungen helfen mir, mein Leben als ein wertvolles und geschätztes zu begreifen, auch wenn es zuweilen auf den ersten Blick ganz anders aussieht. Mitunter kommen wir an eine Grenze, an der wir sagen: „Das ist doch kein Leben mehr.“ Aber dann geht dieses Leben doch weiter, manchmal überraschenderweise, und ein neuer Weg öffnet sich. Und wir erfahren, wie wertvoll unser Leben ist. Dadurch kann Vertrauen wachsen: zu den Menschen, die uns an der Grenze weitergeholfen haben, und ebenso das Vertrauen in die Güte Gottes.

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